Gemeinsames entdecken und sich gegenseitig stärken

Synthia Sobha Rani Chopra, Grace Owusuaa und Josefina Hurtado Neira (von links) berichten bei der Frauenvorkonferenz über häusliche Gewalt in ihren Heimatländern. (Foto: EMS/Karasch-Böttcher)

Frauen sind nicht nur Botschafterinnen ihrer Kirchen in der EMS-Vollversammlung, sondern tragen den Gedanken der Mission in Solidarität zurück in ihre Kirchen

„Lasst Eure Stimmen hören – heute und bei der Vollversammlung in den nächsten Tagen!“ rief Marianne Wagner, Vorsitzende der EMS-Vollversammlung und des Missionsrates, den etwa 25 Teilnehmerinnen der Vorkonferenz zur EMS-Vollversammlung in ihrem Grußwort zu. Es sei wichtig, so Wagner, die auch Pfarrerin für Weltmission und Ökumene der Evangelischen Kirche der Pfalz ist, dass sich die weiblichen Delegierten schon vorher kennenlernten, um Gemeinsamkeiten zu entdecken und sich für die Vollversammlung gegenseitig zu stärken. „Die EMS ist kein Missionswerk mehr, sondern eine Gemeinschaft von gleichberechtigten Mitgliedskirchen – und ohne Frauen gäbe es keine Kirchen!“, sagte Wagner, die anmahnte, dass Frauen nicht nur auf der unteren Ebene, sondern auch in den Entscheidungsgremien ihrer Kirchen vertreten sein sollten.

Die Vorkonferenz der Frauen stand unter dem Thema Häusliche Gewalt – ein Thema, das die Frauen in allen Mitgliedskirchen, aller Generationen und Gesellschaftsschichten umtreibt. Pfarrerin CHEON Min-Heui von der Presbyterianischen Kirche in der Republik von Korea (PROK), berichtete über das Beratungsangebot ihrer Kirche für Frauen, die Häusliche Gewalt erfahren. Vor allem auf dem Land seien die Probleme gravierend – aber kulturell bedingt dürften Frauen innerfamiliäre Probleme nicht nach außen tragen. „Das Gesicht einer Frau soll einer Maske gleichen und keine Gefühle zeigen, wenn sie über ihre Ehe spricht“, sagte CHEON. Daher koste es Frauen oft ungeheuren Mut, sich in ihrer Not an Außenstehende zu wenden.

Die Jugenddelegierte Grace Owusuaa von der Presbyterianischen Kirche in Ghana (PCG) berichtete über das Problem in Ghana, Häusliche Gewalt zu definieren. „Der Mann darf seine Frau und Kinder disziplinieren, aber die Grenze zwischen Disziplinierung und Gewalt ist nicht klar gezogen.“ Den Mann zu verlassen, sei für eine Frau in Ghana undenkbar – und schon aus materiellen und finanziellen Gründen fast unmöglich, sagte Owusuaa, obwohl es Gesetze gäbe, auf die Frauen sich berufen könnten. In Indien sei eine Frau zuerst ihrem Vater „untertan“, dann ihrem Ehemann und schließlich dem Sohn. „Die meisten Frauen in Indien sind lebenslang abhängig von einem Mann“, sagte Synthia Sobha Rani Chopra, die in der Kirche von Südindien (CSI) Generalsekretärin der Frauenarbeit ist. Josefina Hurtado Neira von der Stabsstelle Gender von Mission 21 – Basler Mission berichte über das Engagement kirchlicher Frauengruppen in Indonesien, die immer wieder Frauenhandel skandalisierten und so auch erfolgreich politische Aufmerksamkeit erzeugten.

Die Frauen der Vorkonferenz verständigten sich darauf, in der Vollversammlung eine Resolution gegen Häusliche Gewalt einzubringen, die von allen EMS-Mitgliedern unterstützt werden solle. „Auch wenn manche Kirchen schon einen guten Weg zurückgelegt haben, so brauchen wir diese gegenseitige Vergewisserung und den Rückhalt, um in tabuisierten Bereichen weitere Schritte gehen zu können“, sagte Gabriele Mayer, die Leiterin der Stabsstelle Frauen und Gender der EMS, die diese Konferenz vorbereitet hatte. Sie verwies darauf, dass es auch EMS-Kirchen gebe, in denen noch keine Frauen in Entscheidungsgremien säßen. Das signalisierten die frei gebliebenen Stühle im Raum – für die noch fehlenden Mitglieder der Frauenkonferenz und der Vollversammlung.

Die Vollversammlung der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) tagt vom 4. bis 8. November 2014 in Arnoldshain. Im Vorfeld trafen sich weibliche Delegierte und Gäste zur Vorkonferenz der Frauen. Der Vollversammlung als dem höchsten Leitungsorgan der EMS gehören 51 Delegierte aller 28 Mitglieder an. Sie entscheiden gemeinsam über die inhaltliche Ausrichtung der Gemeinschaft und ihre langfristige Strategie.

Regina Karasch-Böttcher

Quelle: Evangelische Mission in Solidarität (EMS)

 

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