„Eine pastorale und missionarische Chance“

studientag-19-11-16

Gemeinsamer Studientag zu ökumenischen Gottesdiensten

(Germersheim/Speyer/Landau)

Zu welchen Anlässen können ökumenische Gottesdienste gefeiert werden? Was ist bei ihrer Vorbereitung zu beachten? Welche Feierformen gibt es und wie werden sie gestaltet? Antworten auf diese und weitere Fragen erhielten Prädikanten, Lektoren und Mitglieder von Ökumene- und Liturgieausschüssen bei einem Studientag im Evangelischen Gemeindehaus Germersheim. Zum ersten Mal führten der Missionarisch Ökumenische Dienst der Pfälzischen Landeskirche und das Ökumenereferat des Bistums Speyer eine solche Veranstaltung gemeinsam durch.

 

„Ökumenische Gottesdienste sind im Leben vieler Gemeinden eine Selbstverständlichkeit“, so Dr. Thomas Stubenrauch, Ökumenereferent des Bistums Speyer. Sie stünden jedoch vor neuen Herausforderungen. Stubenrauch verwies auf den Rückgang der regelmäßigen Gottesdienstbesucher, auf die Auswirkungen der Strukturprozesse in Landeskirche und Bistum auf das gottesdienstliche Leben der Gemeinden und auf die zunehmende Nachfrage nach multireligiösen Gebetsfeiern. Angesichts dessen seien ökumenische Gottesdienste eine „pastorale und missionarische Chance“ für die Kirchen, gemeinsam und öffentlich Zeugnis für ihren Glauben zu geben: „Mit ihrer Hilfe werden Kirchenferne erreicht und neue Netzwerke geknüpft.“ Stubenrauch warb dafür, ökumenische Gottesdienste möglichst in vielfältiger Gestalt, an Zielgruppen ausgerichtet und niederschwellig zu feiern.

 

In einem Praxisteil lud Pfarrerin Christine Klein-Müller, Gemeindepfarrerin in Germersheim, die 25 Teilnehmenden ein, sich in Kleingruppen zum Bibel-Teilen zusammenzufinden und in sieben Schritten einen Abschnitt aus dem Epheserbrief zu betrachten. In ihrer Einführung betonte Klein-Müller: „Bibel-Teilen ist mehr als eine Methode. Es ist eine gottesdienstliche Feier, die das Wort Gottes in die Mitte stellt und Kirche aufbaut.“ Durch das Bibel-Teilen entstehe eine „Kirche der Beteiligung“, in der sich jeder „von Gott angesprochen und zum Handeln gesandt“ weiß. Klein-Müller verwies darauf, dass in der evangelischen Kirche die Bibel stets „Grundlage und Richtschnur“ gewesen sei. Doch auch in der katholischen Kirche gebe es eine „neue Wertschätzung der Heiligen Schrift“. Das Bibel-Teilen könne deshalb in besonderer Weise ökumenisch fruchtbar gemacht werden.

 

Der Studientag endete mit einem gemeinsamen Gottesdienst zum Reformationsgedenken in der Krypta der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus Germersheim. Im Zentrum stand das Bild des Rades. Klein-Müller und Stubenrauch bezogen das Bild auf die Ökumene: „Je näher die Menschen bei Gott, der Mitte des Rades, sind, desto näher kommen sie auch einander.“ Dies brachten die Mitfeiernden sichtbar zum Ausdruck, indem sie sich mit Wollfäden an einem Kreuz festmachten. Mit ihrem Dank an die Teilnehmenden verbanden beide Referenten die Hoffnung, dass das Reformationsjubiläum 2017 in den Gemeinden „eine neue Begeisterung für die Ökumene und viel kreatives Potenzial für die Feier gemeinsamer Gottesdienste “ freisetzt.

 

Eigener Bericht / Foto: Thomas Stubenrauch

 

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