Mehr als Ja und Amen sagen

Wie wird eine Predigt ansprechend? Udo Grub weiß das. Seit vier Jahren hält er Gottesdienst – ehrenamtlich. Er wurde in Landau als Lektor ausgebildet. Im Herbst startet ein neuer Kurs.

Altenkirchen-Brücken, Speyer (lk). „Das Interesse für die Ausbildung zum Lektor oder zur Lektorin ist ungebrochen groß“, erklärt Thomas Borchers vom Missionarisch Ökumenischen Dienst (MÖD) in Landau. Er leitet die Kurse und kennt einen wichtigen Grund für die Motivation: der Mangel an Pfarrerinnen und Pfarrern. Gemeinden wollten sicherstellen, dass Gottesdienste weiter stattfinden, sagt Borchers.

Die Hauptamtlichen entlasten – das hat auch Udo Grub aus der Kirchengemeinde Altenkirchen-Brücken (Kirchenbezirk Kusel) angetrieben. „Mein Hauptziel war, ihnen den Rücken freizuhalten.“ Er wünschte sich, dass Pfarrerin und Diakon intensiver in der Gemeinde arbeiten können und im Gespräch mit interessierten Menschen bleiben können. Daneben wollte sich der 54-Jährige selbst fitter machen, um über Glauben und Kirche mit anderen besser sprechen zu können.

Predigt macht den Unterschied

Lektoren und Lektorinnen leiten selbstverantwortlich Gottesdienste – mit einer Besonderheit: Sie dürfen die Predigt nicht selbst verfassen, sondern „nur“ vorlesen. Das verrät auch die Herkunft des Namens Lektor von lateinisch „legere“, lesen. Die Lese-Predigten werden von Geistlichen aus der Pfälzischen und benachbarten Landeskirchen erarbeitet. Aus dem Fundus kann der Text für einen Gottesdienst ausgewählt und auch weiterbearbeitet werden.

Lektoren können und sollen die Lese-Predigten nicht einfach vorlesen, sondern auf die Gemeinde oder Situation am Sonntag zuschneiden. Sie können aktuelle Beispiele einfügen. Und sie können an der Sprache arbeiten, damit eine Predigt etwa bei Kindern oder Jugendlichen ankommt. Es geht nicht ums Ablesen. Aber es geht um gewissenhaftes Arbeiten.

Eine Lese-Predigt muss bei allen Änderungen ihren theologischen Charakter behalten, erläutert Lektor Grub. Wie er dabei vorgeht, hat er in der Ausbildung gelernt. Schritt für Schritt werden die Kurs-Teilnehmenden an alle Elemente in der Liturgie herangeführt, darunter Begrüßung, Schriftlesungen und Fürbitten. Ebenfalls Schritt für Schritt erproben sie alle Elemente in Gottesdiensten. Dabei laufen Theorie und Praxis parallel.

Die Ausbildung erstreckt  sich über ein Jahr mit neun Tagen beim Missionarisch Ökumenischen Dienst in Landau. Dazu kommt die praktische Übung in den jeweiligen Gemeinden. Im Kurs sind alle Altersgruppen vertreten. Einen Schwerpunkt bilden Frauen und Männer ab Mitte 40, deren Kinder größer sind und die wieder mehr Luft im Leben haben. Denn eine Lese-Predigt zu bearbeiten, braucht Zeit. Udo Grub nimmt sich die Zeit gerne neben seiner beruflichen Tätigkeit als Informatiker. Gewöhnlich hält er einen Gottesdienst im Monat an beiden Predigtstellen der Gemeinde. Und er spring in der Urlaubszeit ein oder wenn besonders viele Gottesdienste anstehen.

Vor den Gottesdiensten werden die Lese-Predigten bearbeitet. Foto: Fundus/Tobias Frick

Vor den Gottesdiensten werden die Lese-Predigten bearbeitet. Foto: Fundus/Tobias Frick

Viele Ehrenamtliche verkündigen Gottes Wort

Thomas Borchers bezeichnet den Lektorendienst als „wichtige Stütze“. Zahlen machen dies deutlich: Innerhalb der Protestantischen Landeskirche wirken rund 240 Pfarrerinnen und Pfarrer in den Gemeinden. Dazu kommen 450 Ehrenamtliche, die ebenfalls Gottes Wort verkündigen: etwa 270 Lektorinnen und Lektoren sowie rund 180 Prädikatinnen und Prädikanten. Letztere haben eine erweiterte theologische Ausbildung. Sie verfassen Predigten selbst, spenden die Sakramente, das heißt, sie halten Abendmahl und taufen. Daneben gestalten sie auch Trauungen und Bestattungen.

Für die Ausbildung zum Lektor oder Lektorin bestehen ein paar Voraussetzungen: Interessierte müssen volljährig, konfirmiert und Mitglied der Pfälzischen Landeskirche sein. Das Presbyterium der Gemeinde muss zustimmen, das Dekanat Bescheid wissen. Die Gemeindepfarrerin oder der Gemeindepfarrer müssen bereit sein, die Auszubildenden zu begleiten. Diese „Hürden“ haben ihren Sinn. „Es ist eine Verpflichtung zur Zusammenarbeit“, sagt Udo Grub, denn die Hauptamtlichen müssten sich auf die Lektoren und Lektorinnen verlassen können.

Info 

Bewerbungsfrist endet am 30. September  2022. Nachmeldungen für Gruppe 2, die 2023 startet, sind danach noch eventuell möglich.

Lektorenausbildungskurs 2019

 

Erfolgreicher Abschluss: der Kurs 2019. Foto: MÖD

Quelle: evkirchepfalz.de

 

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