Ökumene vermittelt ein neues Gefühl für die Kostbarkeit von Kirche

Gesprächsrunde: Marianne Wagner, Pfarrerin für Weltmission und Ökumene, mit Dekan Albert Anakwa aus Ghana (rechts) und Pfarrer Byun Chang-bae aus Korea.

Internationale Gäste beim Empfang des Kirchenpräsidenten – Reformation und die Eine Welt

Ludwigshafen (lk). Das diesjährige Motto der Reformationsdekade – Reformation und die Eine Welt – weitet nach den Worten von Kirchenpräsident Christian Schad den Blick dafür, welche vielfältigen Formen evangelisches Christsein annehmen kann. Bis heute verbinden über 400 Millionen Menschen weltweit ihren Glauben mit der Reformation und sind Teil der einen, universalen Kirche Jesu Christi, sagte Schad bei einem Empfang der Evangelischen Kirche der Pfalz in der Ludwigshafener Friedenskirche. Den Haupt- und Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe und der Eine-Welt-Arbeit sprach Schad seinen Dank aus: Indem man mit Menschen einer anderen kulturellen Prägung und Herkunft in einer verbindlichen Beziehung stehe, werde „das Globale im Lokalen konkret“.

Als Teil eines weltweiten Netzwerkes seien Christen dazu aufgerufen, sich gemeinsam für die Rechte derer einzusetzen, die verletzlich, arm und ausgegrenzt sind, sagte der Kirchenpräsident in seiner Ansprache vor rund 140 Gästen, unter ihnen Vertreter von Partnerkirchen und christlichen Gemeinden anderer Sprache und Herkunft in der Landeskirche. Er rief dazu auf, sich mit den verfolgten Christen weltweit solidarisch zu erklären. Zugleich mahnte er ein gesellschaftliches Umdenken an. In einer globalisierten Welt dürften nationale Interessen nicht auf Kosten Anderer verwirklicht werden, sagte Schad mit Blick auf Millionen von Menschen, die weltweit auf der Flucht sind. „Solange wir an den Fluchtursachen – Armut und Klimawandel – nichts ändern, werden in Zukunft noch mehr Menschen nach Europa fliehen müssen.“

Der ägyptische Pastor Danial Danial betreut in der Pfalz und Kurpfalz die arabisch sprechenden Gemeinden.

Der ägyptische Pastor Danial Danial betreut in der Pfalz und Kurpfalz die arabisch sprechenden Gemeinden.

Dekan Albert Anakwa, mit dessen Presybterianischer Kirche von Ghana die Pfälzische Landeskirche seit 1996 eine Partnerschaft pflegt, berichtete von den Herausforderungen der Kirche in seinem Land. An diesen könne man im Glauben wachsen und aus dem Gebet heraus den Alltag gestalten. Das Evangelium hören, handeln und helfen gehöre zusammen. 15 Pfälzer Gemeinden stünden mit Gemeinden in Ghana in Direktpartnerschaften. Pfarrer Byun Chang-bae von der Presbyterianischen Kirche Koreas sieht seine Kirche vor ähnlichen Problemen wie die Kirchen in Deutschland. Auf dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung gelte es, sich auf die Zukunft vorzubereiten und mit der Jugendarbeit die nächste Generation zu stärken. Der ägyptische Pastor Danial Danial, der in der Pfalz und Kurpfalz die arabisch sprechenden Gemeinden betreut, sieht es als „Geschenk“, dass seine Gemeindeglieder aus Syrien, dem Libanon oder dem Irak „hier in Deutschland ihren Glauben ohne Einschränkungen leben können“.

Pfarrer Arne Dembek, der Beauftragte für Gemeinden anderer Sprache und Herkunft, erinnerte daran, dass die „Eine Welt direkt vor unserer Haustür beginnt“. Darum gelte es, Christen aus anderen Ländern wahrzunehmen und ihnen zu zeigen: Wir interessieren uns für Euch. „Es gibt vieles, was sich im Kontakt mit Christen anderer Kulturen lernen lässt“, erklärte Dembek. Die Begegnung mit Christen anderer Kulturen und aus anderen Regionen verändere die Blickrichtung – „weg von einer defizitorientierten und hin zu einer verheißungsorientieren Wahrnehmung von Kirche“, führte Kirchenpräsident Schad aus. Die Begegnung mit Ökumene vermittle auch ein neues Gefühl für die Kostbarkeit von Kirche. Vor allem in Ländern mit anderen religiösen oder ideologischen Mehrheitsverhältnissen werde deutlich, dass dies alles andere als selbstverständlich sei. Dafür lohne es sich, einzutreten. „Kirche ist immer auch das, was von anderen auf uns zukommt, was uns mitnehmen, begeistern und erneuern kann. Haben wir den Mut, offen und öffentlich über unseren christlichen Glauben zu sprechen und ihn in Wort und Tat im Alltag zu bezeugen.“

Die multikulturelle Band Shaian aus Kaiserslautern begleitete den Abend musikalisch. Die Musiker kommen aus Afghanistan, Iran, Syrien, Indonesien, Tunesien und Deutschland, einige von ihnen sind Flüchtlinge. Namensgeberin des von den Musikern Dagmar Kern und Michael Halberstadt gegründeten Bandprojekts ist ein neunjähriges Mädchen aus einer Kaiserslauterer Flüchtlingsunterkunft.

Multikulturell: Kirchenpäsident Christian Schad, umringt von den Musikern der Band Shaian aus Kaiserslautern. Foto: Kunz

Multikulturell: Kirchenpäsident Christian Schad, umringt von den Musikern der Band Shaian aus Kaiserslautern. Foto: Kunz

 

Quelle: evkirchepfalz.de/09.07.2016, Ludwigshafen

 

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