Ei in der Hand. Ein anschauliches Beispiel für den Umgang mit Macht stellt diese geschnitzte Figur aus dem kulturellen Erbe Ghanas dar. Sie hat den Namen Somo Yiyie, was übersetzt so viel heißt wie: „Vorsicht zerbrechlich!“ Wir sehen ein Ei, das von den fünf Fingern einer Hand hochgehalten wird. So wie ein zerbrechliches Ei mit Fingerspitzengefühl und behutsam behandelt werden will, so ist Leben schutzbedürftig und bedarf der besonderen Zuwendung. Das Symbol aus Ghana bekommt seine spezielle Bedeutung bei einem besonderen Anlass. Einem frisch gewählten Häuptling oder König – es können auch andere Verantwortungs- und Entscheidungsträger sein – wird eine solche Holzplastik überreicht. Damit verbindet sich die Botschaft: Der oder die neu Gewählte steht in einer Kette von Menschen, denen schon zuvor Macht und Verantwortung übertragen wurde. Macht ist delikat, sie ist wie ein zerbrechliches Ei. Man hat sie nicht für sich allein, sondern sie will geteilt werden zum Nutzen der Gemeinschaft. Die Figur ist eine ständige Mahnung und Aufforderung, die verliehene Macht nicht zu missbrauchen. In der Ermahnung bei der Inthronisation eines Königs heißt es u.a.: „Wir wünschen keine Habsucht. – Wir wünschen nicht, dass sein Ohr zu hart ist, um zu hören. – Wir wünschen nicht, dass er alles selbst bestimmt. – Wir wünschen nicht, dass wir missbraucht werden. – Wir wünschen, dass er keine Gewalt anwendet.“