Koreanisches Arbeiterkreuz – Das Bild ist in den siebziger- und achtziger Jahren im Umfeld der UIM (Industrie- und Stadtmission) in Südkorea entstanden. Dies war eine Einrichtung der Kirchen, die sich in den Zeiten der Diktatur, die jede freie gewerkschaftliche Betätigung unterdrückte, ganz auf die Seite der entrechteten Arbeiterinnen und Arbeiter stellte. Die Beratungs- und Aktionszentren waren ein gewichtiger Faktor in der Demokratie- und Menschenrechtsbewegung Südkoreas. Der ausgestreckte Arm mit der durchbohrten Hand beherrscht das Bild. Die Stigmatisierung geschieht durch einen riesigen Nagel, eher einem Keil vergleichbar, der auch an der anderen Hand zu sehen ist. Der Keil korrespondiert mit den Dornen auf dem Haupt des Gekreuzigten. Beide, Haupt und Hand sind von einem Lichtschein umgeben. Hier wie dort strömt Blut. Es drängt sich der Eindruck auf, als ob der Künstler mit der durchbohrten Hand die zentrale Aussage des Bildes verbinden möchte. In der Hand, Symbol für die menschliche Arbeitskraft, verdichtet sich das Kreuzesgeschehen. Die Gestalt des Gekreuzigten tritt demgegenüber zurück. Es ist, wie wenn der Künstler den Mann am Kreuz sagen lässt: „Seht her, was sie mit meiner Hand machen!“ Es ist brutale, grausame Gewalt, die da am Werk ist, die den für die Handarbeit wichtigsten Körperteil zerfetzt, vernichtet und schreckliches Leiden verursacht. Die durchbohrte Hand ist einerseits Anklage gegen alle Formen von Gewalt und Versklavung des Menschen. Andererseits sind die zu einer Faust gekrümmten Finger der Hand auch Zeichen des Protests.