An einer Tür des christlichen Zentrums in Seoul findet sich eine Kupferplastik, die den Exodus (Auszug) zum Thema hat. Sie stammt von der Koreanerin KIM Chung-Suk. Das Exodus-Motiv ist oft von christlichen Künstlerinnen und Künstlern auf dem Hintergrund der leidvollen Geschichte des koreanischen Volkes gestaltet worden. Korea wurde, wie kaum ein anderes Land, im Lauf seiner mehrtausendjährigen Geschichte vielmals das Opfer von Invasionen und Fremdherrschaften. Das Leiden hat bis heute kein Ende. Die koreanische Halbinsel ist auch noch nach über 60 Jahren geteilt. Millionen Familienangehörige im Norden und Süden wurden auseinandergerissen und sind sich fremd geworden. Die Frauen und Männer, die mit ihrem künstlerischen Schaffen das Exodus-Motiv aufgegriffen haben, sahen das koreanische Volk in seiner Geschichte in einer Linie mit der Geschichte des Volkes Gottes im Alten und Neuen Testament. Die Christen in Korea konnten sich in den biblischen Geschichten von Führung und Bewahrung, von verweigertem Gehorsam und von Irrwegen wiedererkennen. Die Zusage von Gottes Treue trotz menschlicher Untreue gab ihnen Kraft und Zuversicht, als Minderheit ihren Glauben zu leben. Das war nicht leicht unter Fremdherrschaften und Despoten des eigenen Landes, die das öffentliche christliche Zeugnis entweder verboten oder nur in einer Form duldeten, die für die Regime nicht störend war. Die Männer und Frauen, die den Zug anführten und die dafür sorgten, dass die Dynamik des Exodus nicht erlahmte, lebten aus den Kraftquellen der Bibel. Nichts anderes hat die Geschichte der Kirchen in Korea so geprägt, wie die intensive Beschäftigung mit dem Wort Gottes in kleinen Kreisen und Gruppen, in Häusern und Kirchen, in Baracken der Slums oder in ärmlichen Behausungen auf dem Lande. Die Bibel tröstete die Gefangenen in den trostlosen, isolierten Zellen und inspirierte und ermutigte viele, die sich für eine erneuerte Gesellschaft engagierten. Wenn man genau hinsieht, erkennt man auf der Darstellung des Exodus, dass die dem Zug Vorangehenden ein Buch im Arm halten oder es aufgeschlagen vor sich hertragen. Es sind bezeichnenderweise Frauen. Was wäre die koreanische Kirche ohne den unermüdlichen und hingebungsvollen Einsatz der Christinnen. Durch die Missionsarbeit der »Bibelfrauen« innerhalb und außerhalb der Kirche wurde die Grundlage für das erstaunliche Wachstum der koreanischen Kirchen gelegt. Viele Frauen haben sich unter der Diktatur am Widerstand beteiligt, haben vor den Gerichten und Gefängnissen demonstriert und sich den gewalttätigen Milizen entgegengestellt. ( Auszug aus : Liturgische Blätter 71/2004, Seite76ff) Kirchen in Korea. Rund ein Viertel der Bevölkerung Südkoreas sind Christen. Die protestantischen Kirchen (etwa 18,6 % der Bevölkerung) sind in ca. 160 Denominationen zersplittert. Einige haben mehr als eine Million Mitglieder, andere nur einige Hundert. Die zwei Denominationen, mit denen die Evangelische Kirche der Pfalz (EKP) über das Evangelische Missionswerk in Südwestdeutschland verbunden ist, sind: Die Presbyterianische Kirche von Korea (PCK). Zu ihr gehören 2,5 Millionen Christinnen und Christen in 6.400 Gemeinden. Die Größe variiert von 20 bis 20.000 Mitgliedern. Zwischen der PCK und der EKP besteht eine Partnerschaft. Die Presbyterianische Kirche in der Republik Korea (PROK) Zu ihr gehören 350.000 Christinnen und Christen in etwa 1.400 Gemeinden. PCK und PROK, die Methodisten und fünf weitere kleine Denominationen gehören zum Nationalen Kirchenrat (KNCC). Seit 1996 gehört auch die charismatische Full-Gospel-Church in Seoul mit 500.000 Gemeindegliedern zum KNCC. Zur römisch-katholischen Kirche zählen gut 8 % der Bevölkerung. Mehr Informationen zu Gestalt, Leben und Arbeitsfeldern der evangelischen Kirchen finden sich in einem Anhang mit Auszügen des Materials zu dem Korea-Koffer (2005 fertiggestellt und auszuleihen bei: Missionarisch Ökumenischer Dienst in der EKP), an dem der Verfasser maßgeblich mitgearbeitet hat.