Bolivien

Unterwegs erlebt

Ohne Geländewagen geht hier im Hochgebirge nichts. Bei einer Fahrt zu „unserem“ Mädchenwohnheim in Caranavi, bietet mir Kirchenpräsident Cristóbal Alejo das Steuer an: „Du fährst doch so gern.“

Aber dann Straßenkontrolle. „Ihren Führerschein bitte“, sagt die Soldatin. Oh, wo ist der bloß, denke ich, krame ein wenig und fange in meinem besten Spanisch an, auszuholen. „Wohl im Hotel vergessen, denn wissen Sie…“ Nach 30 Jahren Bolivien weiß ich, hier ist fast alles verhandelbar. „Und das ist der Kirchenpräsident neben mir. Er hat seinen Führerschein dabei!“

Die Soldatin sieht mich ungläubig an. „Führerscheine sind dazu da, dass man sie bei sich hat. Und hier fährt wohl nicht der Kirchenpräsident.“ Wo sie recht hat… Erst als mein Führerschein aus den Tiefen meiner Tasche auftaucht, darf ich weiterfahren. „Tja,“ grinst Cristóbal Alejo, „die Zeiten ändern sich.“ Die fünf Stunden bis Caranavi hatten wir jedenfalls was zu lachen.
Marianne Wagner

 

Land und Leute

Bolivien liegt im Herzen Südamerikas: Trockene Savannen, tropische Regenwälder, Andenketten und dazwischen das Hochland mit dem Titicacasee. Über die Hälfte der rund 10 Millionen Bolivianer sind indianische Ureinwohner. Sie leben meist in eigenen Siedlungen, in tausenden „Communidades indigenas“ und sprechen Spanisch, Aymará, Quechua und Guarani.

Das Binnenland wurde von vielen Kulturen und Königreichen erobert. Von der Kolonialherrschaft der Spanier wird das Land 1825 von Simon Bolivar befreit: Darum Bolivien. Immer wieder hatte das Land mit Militärjuntas, Revolutionen und Bürgerkriegen zu kämpfen.

Bolivien zählt bis heute zu den ärmsten Ländern Südamerikas. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut. Die Landwirtschaft ernährt die Bauern kaum, der Anbau von Koka ist umstritten. Es fehlt an Bildung und Gesundheitsvorsorge.

Seit 2005 ist Evo Morales Ayma als erster Indigene Staatspräsident. Sein Ziel: Armut und Korruption bekämpfen. Und seine indigenen Landsleute den Weißen im Land gleich stellen.

 

Gemeinden und Glauben

Der Römisch-Katholischen Kirche gehören über 80 % der Bevölkerung an. Die Pfingstkirchen haben Zulauf. Daneben gibt es Methodisten und Baptisten sowie die Evangelisch-Lutherische Kirche.

Die „Iglesia Evangelica Luterana Boliviana“ (IELB) wurde 1972 als selbstständige Kirche gegründet. Eine Folge der Missionsarbeit US-Amerikanischer Missionare seit den 40er Jahren. Inzwischen zählt die Kirche rund 20000 Mitglieder in 120 Gemeinden. Die 10 Kirchenkreise liegen in den Departamenten La Paz, Santa Cruz, Cochabamba und Pando.

Die Gemeinden sind arm wie das Land. Die wenigen ausgebildeten Theologen brauchen darum einen weiteren Beruf. Gehälter gibt es nicht für die 26 Pfarrer. Auch nicht für die ersten beiden Pfarrerinnen, die 2008 in La Paz ordiniert wurden.

Dafür ist die Kirche reich an Evangelisten. Mehr als 100 Laien sind im Predigtamt und sagen das Evangelium in vielen Sprachen weiter.

 

Partnerschaften

Die Evangelisch-Lutherische Kirche Boliviens ist seit 2002 Partnerkirche der Pfälzischen Landeskirche. Sie unterstützt Programme und Projekte wie das Mädchenwohnheim in Caranavi.

Die Arbeit wird mit mission 21-evangelisches missionswerk basel und dem Gustav-Adolf-Werk koordiniert.

Im „Arbeitskreis Lateinamerika“ des MÖD werden Partnerschaften angeregt und Projekte abgestimmt.

 

Weitere Partner

Partnerschaft zum Centro Cultural Ayopayamanta, unter anderem vom Freundeskreis Kunan Mink’a. Beziehungen zur Ökumenischen Hochschule für Andine Theologie ISEAT. Die Prot. Kirchengemeinde Ludwigshafen-Edigheim begleitet die Kirchengemeinde Tilata in Bolivien. Die Prot. Martin-Lutherkirchengemeinde in Neustadt unterstützt die Arbeit der Fundación Pueblo. Die Prot. Dreifaltigkeitskirchengemeinde in Speyer pflegt ebenfalls Kontakte mit Bolivien.