Die Gäste aus Bolivien sind im Landeskirchenrat in Speyer empfangen worden. Foto: lk

Partner aus Bolivien in der Pfalz zu Gast

Missionarisch-Ökumenischer Dienst organisiert Informationsbesuch – Empfang im Landeskirchenrat

Speyer (lk). Über nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum informiert sich eine Delegation aus Bolivien zurzeit in der Pfalz. Die Besuchergruppe mit dem Präsidenten des Kulturzentrums Ayopayamanta, Severino Maldonado, sowie weiteren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern ist im Rahmen ihres Pfalzaufenthaltes auch von Oberkirchenrat Manfred Sutter im Landeskirchenrat in Speyer empfangen worden.

Die konkrete persönliche Begegnung und der Austausch seien das Lebenselixier der partnerschaftlichen Zusammenarbeit im ökumenischen Miteinander, erklärte der Ökumenedezernent in seiner Begrüßung. Er freue sich auf das Gespräch mit den bolivianischen Glaubensgeschwistern, nachdem er in den letzten Wochen schon Delegationen der weiteren Partnerkirchen der Evangelischen Kirche der Pfalz aus Ghana, Korea und Westpapua empfangen durfte.

Der Besuch der bolivianischen Partner vom Centro Cultural Ayopayamanta (CCA) findet in Trägerschaft des Missionarisch-Ökumenischen Dienstes Pfalz (MÖD) und in enger Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Kunan Mink‘a im Kirchenbezirk Donnersberg, der Kirchengemeinde Gimmeldingen sowie Kooperationspartnern im Schwarzwald und in der Steiermark statt, teilt die pfälzische Pfarrerin für Weltmission und Ökumene, Marianne Wagner, mit.

Das Kulturzentrum wirke aktiv bei der Entwicklung der ländlichen Region Ayopayamanta mit, erklärt Wagner. Mikrobewässerungsanlagen für die Landwirtschaft, Anlagen für Trinkwasser, Umwelterziehung in Schulen, Wiederaufforstung, eine zentrale öffentliche Bibliothek mit Internetzugang sowie der Regionalsender Radio Ayopaya nennt die Pfarrerin als Beispiele aktueller Projekte des CCA in Bolivien. In der Pfalz informiert sich die Gruppe u.a. über die Vermarktung und Produktion regionaler Produkte, Klimaschutz, Landesplanung, ökologische Landwirtschaft und Abfallentsorgung. Zudem werden Fragen der ökumenischen Zusammenarbeit erörtert.

Seit Ende der 70er Jahre gibt es nach Auskunft Wagners intensive Beziehungen zwischen Gemeinden und Gruppen in der Pfalz mit Basisorganisationen in Bolivien, vor allem in der Region Ayopaya. Der Freundeskreis Kunan Mink’a („Jetzt helfen wir uns gegenseitig“) aus der Nordpfalz habe diese Zusammenarbeit gestartet. Zwischen 1985 und 2008 fanden neun internationale Begegnungsprogramme in der Pfalz und in Ayopaya statt, jeweils mit einem Schwerpunktthema wie etwa biologische Landwirtschaft, Partizipation von Frauen oder nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum. Dies sei auch in die entwicklungspolitische Bildungsarbeit der Pfalz eingeflossen, so Wagner. So habe der Freundeskreis Kunan Mink’a im Kirchenbezirk Donnersberg mit der Ausstellung „Wie riecht und schmeckt Bolivien?“ über Lebenssituation und Projekte in der bolivianischen Partnerregion informiert.

Seit dem Jahr 2002 koordiniert der Missionarisch-Ökumenischen Dienst der Evangelischen Kirche der Pfalz die Beziehungen nach Bolivien, auch auf landeskirchlicher Ebene. Dadurch seien Kontakte zwischen weiteren Kirchengemeinden und dem CCA entstanden, z.B. in der protestantischen Kirchengemeinde Gimmeldingen im Kirchenbezirk Neustadt. Aus Anlass des Besuches der bolivianischen Delegation hat die Kirchengemeinde Gimmeldingen unter Mitwirkung des Kindergottesdienst-Teams einen Partnerschaftsgottesdienst zum Thema „Gottes Liebe umspannt die Welt“ gefeiert.

29.07.2015, Speyer
Quelle: Evangelische Kirche der Pfalz

Aufstehen zum Leben für die Eine Welt

Das Programm des Ökumenischen Pfälzer Forums beim Kirchentag widmet sich den globalen Herausforderungen

„Aufstehen zum Leben“ global und interreligiös: Rund um die Gedächtniskirche liegt das Eine-Welt-Zentrum des ökumenischen Kirchentages. Klimawandel, Nachhaltigkeit, Bewahrung der Schöpfung sowie Frieden und Gerechtigkeit sind die Themen, um die es auf der Bühne neben der Kirche, im Martin-Luther-King-Haus und den Infoständen auf dem Platz geht. Organisiert hat das vielseitige Programm das Ökumenische Pfälzer Forum.

Auf der Bühne kommen Vertreter von Hilfswerken und Initiativen zu Wort. Dazwischen machen Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Erdteilen Musik. Zweimal ist die Bühne am Samstag ein Ort der Würdigung beispielhafter nachhaltiger Projekte: Ausgezeichnet werden fünf Experimente der Lebensstilkampagne „Gutes Leben. Für alle!“, die vom Bistum Speyer, dem Katholikenrat und Misereor getragen wird. Preisgekrönt werden auch zehn protestantische Kirchengemeinden, die sich erfolgreich an der Klimaschutzinitiative der Evangelischen Kirche der Pfalz „Wir sind erneuerbar!“ beteiligt haben.

An beiden Kirchentagen lädt das Interreligiöse Café zu einer Pause ein. Es ist ein Projekt der jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, der türkisch-islamischen Gemeinde Speyer, der evangelischen Gesamtkirchengemeinde und der katholischen Stadtpfarreien Speyers in Zusammenarbeit mit dem Café Asyl.

Der Klimawandel geht alle an
Bei der ersten Podiumsveranstaltung des Programms diskutieren fünf Fachleute mit Moderator Dr. Frank Jöst über das Thema: „Nach uns die Sintflut? Bewahrung der Schöpfung im Kontext des Klimawandels“.

Prof. Dr. Keilen, stellvertretender Abteilungsleiter Energie- und Strahlenschutz im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung gibt den Zuhörern die Botschaft mit „Klimaschutz ist ein Gewinn, auch ökonomisch!“ Er wirbt für energiesparende Investitionen jedes Bürgers im eigenen Haushalt.

Auch wenn die großen weltweiten Konferenzen bisher wenig Ergebnisse in Sachen Klimaschutz gebracht haben: für Heinz Fuchs von Brot für die Welt sind diese Treffen die einzige Möglichkeit für Länder, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, ihre Stimme zu erheben. Diese Staaten seien nicht selbst Verursacher, hätten aber besonders die Folgen zu tragen. „Sie leiden, der Klimawandel ist ein Armutstreiber“, sagt Fuchs. Es gehe auch darum, zu regeln, wer die Kosten des Klimawandels trage. „Es braucht Anerkennung das Klimawandel ein zentrales Problem ist, bei dem es um das Überleben des Planeten geht.“

Das Engagement der Kirchen gegen den Klimawandel begründet der Umweltbeauftrage der Diözese Speyer, Steffen Glombitza, mit dem „Auftrag der Christen, die Schöpfung zu bewahren“. Er lädt zur Teilnahme am Klimapilgerweg der Kirchen im November nach Paris ein, der ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz setzen will. Bärbel Schäfer, Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz, verweist auf das erfolgreiche Energiemanagementprojekt für Gemeinden der Landeskirche. Nicht nur der Klimaschutz profitiere davon. „Es lohnt sich für die Gemeinden. Sie sparen Energie und entlasten ihren Haushalt.“

Reiche bestimmen die Regeln…aber
Als es beim letzten Podium des Tages um das Thema „Die Reichen bestimmen die Regeln? – Gerechtigkeit als Anspruch an Politik und Wirtschaft in der globalen Welt“ geht, platzt der große Versammlungsraum im Martin-Luther-King-Haus aus allen Nähten. Die drei Gesprächspartner von Pfarrerin Marianne Wagner sind der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerkes Misereor Pirmin Spiegel, Schwester Karoline Mayer, Gründerin der Stiftung Cristo Vive, die mit Projekten in Chile, Peru und Bolivien gegen Armut und Ausbeutung und für ein Leben der Armen in Würde kämpft, und Rafael Fellmer, Mitbegründer von Foodsharing und Autor des Buches „Glücklich ohne Geld“.

Reiche haben entscheidenden Einfluss auf Politik und Lebensbedingungen der Menschen, diese Erfahrung teilen Schwester Karoline und Pirmin Spiegel. „Wir sollten nicht naiv sein. Die Armen sitzen nicht am Tisch, wenn zum Beispiel über Handelsabkommen verhandelt wird“, sagt der Misereor-Chef. Aber er hat die Hoffnung auf Veränderung nicht aufgegeben. Viele kirchliche Initiativen setzten Zeichen der Solidarität mit den Armen und er bekräftigt: „Wir haben die Aufgabe, Lobbyarbeit für die Menschen zu machen, die arm sind.“

Schwester Karoline, die der Kampf gegen Armut vor über 40 Jahren in die Armenviertel in der chilenischen Hauptstadt Santiago führte, betont: „Ich kann mich bis heute nicht an Armut gewöhnen.“ Sie habe die Erfahrung gemacht, dass trotz Armut viele Menschen glücklich seien, wenn sie etwas für andere tun könnten und teilten. Teilen bedeute Freude und Freude sei Lebenskraft. „Ich habe viel von den Armen gelernt“, sagt sie. Bis heute wohnt und arbeitet sie in einem der armen Viertel von Santiago. Ihr Appell: Angesichts einer zunehmenden Individualisierung und eines steigenden Egoismus in der Gesellschaft sei es heute besonders wichtig, sich für eine Welt der Gerechtigkeit zu engagieren.

Es sind nicht immer die (reichen) Anderen: „Wir alle hier sind reich, wir konsumieren mehr als unser Planet hat, und wenn alle das so machen würden, bräuchten wir mehrere Erden“, betont Rafael Fellner und plädiert dafür, den eigenen Lebensstil zu verändern, weniger zu konsumieren. Die wichtigsten Dinge des Lebens wie Freude, Liebe, Glück seien ohnehin nicht zu kaufen.

Auch Pirmin Spiegel plädiert für eine Veränderung des Lebensstils. Es sei wichtig, sich einzumischen und Politik mitzugestalten. Gerade Christen trügen dafür Verantwortung, dass die Hoffnung auf eine gerechtere Welt nicht verloren gehe. „Seien Sie Gesicht und Träger der Hoffnung“, ermutigt Spiegel am Schluss der langen Diskussion alle Engagierten.

Quelle: www.oekt-pfalz.de

Besuch bei der Kirchenleitung der GKI in Jayapura, Papua

Im Februar 2015 besuchte Pfarrer Welman Boba die Kirchenleitung der Partnerkirche in Jayapura, Papua. Er informierte Kirchenpräsident Albert Yoku über seine Tätigkeit als Ökumenischer Mitarbeiter in der Pfalz und die Partnerschaftsaktivitäten. Die Pfälzische Landeskirche unterstützt v.a. die Dekanate in Waropen. Es werden z.B. Jugendliche als Krankenschwestern und als Holzfachleute ausgebildet. Geplant ist, auch die Ausbildung von Maschinentechnikern für Boote zu fördern. Kirchenpräsident Albert Yoku dankte Pfarrer Boba, da sich durch dessen Einsatz die Beziehungen zwischen der GKI Tanah Papua und der Evangelischen Kirche der Pfalz Kirche der Pfalz sehr intensiviert hätten. Ende Juni wird in der Pfalz eine achtköpfige Delegation aus Papua erwartet.

Weltmission und Kulturaustausch – Rückwirkungen der Basler Mission am Oberrhein

Ende Januar lud der Verein für pfälzische Kirchengeschichte in Landau zu einer Jubiläumstagung anlässlich „200 Jahre Basler Mission“ ein

Über 40 Frauen und Männer aus der Pfalz wurden von der Basler Mission in die Welt geschickt — und brachten ihre Erfahrungen in die Heimat zurück. Unter dem Titel „Weltmission und Kulturaustausch“ lud der Verein für pfälzische Kirchengeschichte am 23./24. Januar zur ersten Tagung des Jubiläums­jahres „200 Jahre Basler Mission“ in die Evangelische Akademie in Landau ein.

Paul Jenkins, der langjährige Leiter des Archivs in Basel, gab zunächst einen Überblick über die Geschichte der Basler Mission, bevor drei Pfälzer Missionare näher vorgestellt wurden: Heinrich Bohner (1842-1905), „der Schuhma­cher Gottes“ und seine Arbeit auf der Goldküste und in Kamerun, Eugen Rapp (1904-1977), der die Sprachen Westafrikas erforschte, und die Missionsärztin Emma Margarete Metzger (1879-1970). Anhand dieser drei Missionare zeigte der Referent die vielfältige Arbeit der Basler Mission von der Evangeliumspredigt und Gemeindegründung über die Erforschung der Sprachen bis zum Gesundheitsdienst auf.

Im Anschluss schilderte Pfarrer Christoph Krauth, wie die Erfahrungen der Missionare in der Heimat bekannt gemacht wurden. Neben den Publikationen der Mission geschah das vor allem auf den Missionsfesten. 1848 wurde das erste Landesmissionsfest gefeiert. Durch diese Feste sei die Zahl der Missionsvereine in der Landeskirche auf über 200 gesteigen, sodass es fast in jeder zweiten Gemeinde eine solche Unterstützer­gruppe gegeben habe.

Einen Einblick in die vielfältigen Motive der jungen Leute, die sich für den Missionsdienst meldeten, gab Professor Dieter Becker. Eine große Rolle habe gespielt, dass nach dem Ende der napoleonischen Kriege die Nachrichten über die Greul des Sklavenhandels in Deutschland verbreitet wurden. Die Wiedergutmachung für diese Verbrechen weißer Menschen sei deshalb eines der Motive gewesen. Andere wollten auf der Grundlage von Matthäus 24,14 durch ihren Einsatz das Kommen des 1000-jährigen Friedensreiches fördern. Und wieder Andere hätten von den schlimmen Lebensbedingungen der Menschen auf anderen Kontinenten gehört und wollten ihnen die Liebe Christi vermitteln.

Professor Volker Küster aus Mainz zeigte die Wandlungen der Mission in den vergangenen 200 Jah­ren auf. Aus den früheren Missionsgebieten sind inzwischen selbständige Kirchen geworden. Die Basler Mission arbeitet heute mit anderen Missionen in der EMS und mit Mission 21 in der Schweiz zusammen.

Das abschließende Podium mit Oberkirchenrat Manfred Sutter und der EMS-Vorsitzenden Marianne Wagner zeigte auf, welche gemeinsamen Herausforderungen die Kirchen aller Kontinente heute haben. Dabei können wir in Deutschland aus den Erfahrungen unserer Partnerkirchen vieles lernen, beispielsweise in Bezug auf das Zusammenleben mit Angehörigen anderer Religionen. Die zahlreichen Partner­schaften und der Personalaustausch halten die Verbindungen lebendig.

Jürgen Quack

Quelle: Evangelische Mission in Solidarität (EMS)

Kinder in Not nicht abweisen

Evangelische Mission in Solidarität unterstützt eine Vorschule in Syrien
von Uwe Gräbe

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Evangelischer Kirchenbote 2/2015

„Je suis Charlie – Ich bin Nazarener“

EMS verteidigt Meinungs- und Religionsfreiheit

„Die furchtbaren terroristischen Angriffe im Namen Gottes in der vergangenen Woche in Paris erinnern uns einmal mehr daran, wie der Name Gottes heute durch Terroristen missbraucht wird, die sich auf ihn berufen, um Morde und Gewalt zu rechtfertigen. Wer kaltblütig mordet und sich dabei auf Gott bezieht, beleidigt in Wahrheit Gott und alle an ihn glaubenden Menschen,“ kommentiert Dr. Habib Badr, Leitender Pfarrer der Nationalen Evangelischen Kirche von Beirut (NEC) im Libanon. „Christen und Muslime benutzen denselben Namen für Gott – „Allah“. Und „Allah“ ist im Christentum und im Islam der Gott der Liebe, des Friedens und des Erbarmens, nicht des Hasses, des Todes und der Gewalt. Daher verurteilen wir alle Grausamkeiten, die im Namen Gottes und der Religion verübt werden. Aber zur selben Zeit rufen wir auch alle Menschen auf, Religion und Glauben des Anderen zu respektieren und nicht ihre Nachbarn durch aufstachelnde Beleidigungen, Hass und unangemessene Verhöhnung zu provozieren.“

„Wir sprechen den Opfern dieser Angriffe und ihren Familien unser tiefstes Mitgefühl aus. Friedliebende arabische Christen und Muslime im Libanon und im Mittleren Osten beten mit Sicherheit – auch in Arabisch – für die Opfer und ihre Familien.“

Die Evangelische Mission in Solidarität (EMS), zu der deutsche, arabische, asiatische und afrikanische Kirchen und Vereine gehören, erinnert daran, dass terroristische Bewegungen in vielen Teilen der Welt das Zusammenleben der Religionen torpedieren. „Boko Haram hat eben weitere Massaker in der ganzen Gegend der Stadt Baga verübt. Eine ganze Kirche, die „Kirche der Brüder“ mit mehreren Hunderttausend Mitgliedern lebt seit Jahren in Angst und Schrecken. Menschen werden massakriert, nur weil sie Christen sind. Mädchen werden entführt und zwangsweise konvertiert. Das erscheint nebenbei in den Medien. Der Umfang dieser Verbrechen ist vergleichbar mit dem, was der Islamische Staat in Syrien und dem Irak anrichtet“, so Jürgen Reichel, Generalsekretär der EMS.

„Wir wollen auf die Gleichzeitigkeit des Terrors in vielen Ländern der Welt aufmerksam machen. Deshalb werden wir am Eingang unseres Werkes in Zukunft beides zusammen anbringen: „Je suis Charlie“ und das arabische „Nun“. Damit haben viele Christen und Muslime ihre Häuser bezeichnet, um sich mit den Christen, die der Islamische Staat drangsaliert, zu solidarisieren. Wer die Meinungsfreiheit in Europa verteidigt, muss auch für Religionsfreiheit in Afrika und dem Nahen Osten einstehen.“

„Die EMS tritt mit Entschiedenheit auch den Kräften gegenüber, die die Religionsfreiheit für Muslime in Europa bestreiten“, so Marianne Wagner, Vorsitzende der EMS. „Wir werden deshalb Kundgebungen und Initiativen unterstützen, die für das friedliche Zusammenleben von Menschen eintreten, die verschiedenen Religionen angehören. Wir erfahren aus allen Mitgliedskirchen, dass Menschen in den Dörfern und Städten freundschaftlich und nachbarschaftlich zusammenleben, solange die Unterschiede nicht instrumentalisiert werden und niemand die Alleinvertretung beansprucht. Auch in Deutschland müssen alle Menschen guten Willens aufeinander zugehen und für ein friedliches Miteinander in Freiheit einstehen.“

13.01.2015, Stuttgart

Ein Bettelkönig kommt

Andacht zum ersten Advent
von Pfarrerin Marianne Wagner

Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9, 9): „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.“ Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf. Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Matthäus 21, 1–9

„Macht hoch die Tür die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit“, dieses Lied wird am kommenden Sonntag in den meisten Gottesdiensten erklingen. Freudige Erwartung verbinden wir damit, der erste Advent ist da. Wir sind eingeladen zum Innehalten, zur Rückschau, aber auch zum Blick nach vorn, hin auf das, was kommen soll.

Wo soll es langgehen in meinem persönlichen Leben, wohin rudert unsere Kirchengemeinde, wie ist es um das Schiff Kirche bestellt? Nehmen wir uns die Zeit, diesen Fragen wirklich nachzuspüren? Wenn nicht jetzt, wann dann?

Als Christinnen und Christen sind wir ja im Namen von Jesus Christus unterwegs in dieser Welt. Diese Selbstverständlichkeit sollten wir uns aber immer wieder ganz bewusst machen im Sehen und Hören darauf, wie Jesus in die Welt kam und wie er auf die Menschen zuging und sie bewegte.

Die Art, wie Jesus in Jerusalem einzieht, ist genauso überraschend wie der Umstand, dass der Sohn Gottes unter ärmlichen Bedingungen auf die Welt kommt und neben Ochs und Esel in einer Krippe liegt.

Sanftmütig und auf einem Esel reitend, damit erinnert Jesus daran, dass Gottes Herrschaft in unserer Welt nicht in äußerer Macht, Glanz und Glorie besteht. Es ist zu vermuten, dass die revolutionären Kräfte damals ein machtvolles Auftreten des Galiläers gegen die römische Besatzungsmacht erwarteten. Jesus aber inszeniert sein Eintreffen im Zentrum politischer und religiöser Macht so, dass deutlich wird: Gott kommt nicht mit Gewalt, von oben herab, auf hohem Ross, er kommt eher als „Bettelkönig“, wie Martin Luther es nannte. Und gerade dadurch kritisiert er die herrschenden Umstände, wirkt er „machtvoll“.

Heißt das nicht, dass wir in unseren Gemeinden und Kirchen aufhören sollten, so ängstlich vom vermeintlich drohenden Bedeutungsverlust des christlichen Glaubens in unserer Gesellschaft zu reden? Sicher ist es Fakt, dass der Traditionsabbruch Folgen zeigt, dass es bei Weitem nicht mehr selbstverständlich ist, dass selbst getaufte Kinder im Elternhaus mit dem christlichen Glauben so aufwachsen, dass ihnen biblische Geschichten und Gottesdienst vertraut wären.

Aber das Wegfallen von Selbstverständlichkeiten bietet auch die Chance, genauer hinzuschauen und sich zu vergewissern, wie es mit unserem Zeugnis von Jesus Christus bestellt ist.

Jesus hat die Menschen angerührt, weil er ihnen ins Herz sprach, sich ihnen ganz zuwandte und sie in seiner Gegenwart wieder Hoffnung schöpfen konnten. Sein Wort, sein Handeln und die Gemeinschaft derer um ihn herum haben Menschen angesprochen und in Bewegung gesetzt. Daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass sein friedfertiger Einzug in Jerusalem blutig endete, am Kreuz.

Die Worte des Auferstandenen, „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“, haben Menschen von jeher durch tiefe Krisen, Verfolgung und Tod hindurch getragen.

Lassen auch wir uns im Advent wärmen und ermutigen. Schauen wir auf die vielen guten Dinge in unserem Leben und in unserer Kirche mit Dankbarkeit. Tun wir das Unsrige, um denen, die uns brauchen – nah und fern – die Hand zu reichen und Solidarität zu üben.

Lassen Sie uns Tor und Tür öffnen für Jesus Christus, der uns und der Welt Licht und Hoffnung bringt.

Marianne Wagner ist Pfarrerin für Weltmission und Ökumene im Missionarisch-Ökumenischen Dienst in Landau.

Gebet

Jesus Christus, auf dich warten wir nicht vergeblich. Du wirst kommen und uns deine Nähe schenken. Wir bitten dich: Mache uns bereit, in dieser Adventszeit dich zu empfangen. Du bist unser Helfer jetzt und alle Zeit. Amen.

Evangelischer Kirchenbote 48/2014

Gemeinsames entdecken und sich gegenseitig stärken

Frauen sind nicht nur Botschafterinnen ihrer Kirchen in der EMS-Vollversammlung, sondern tragen den Gedanken der Mission in Solidarität zurück in ihre Kirchen

„Lasst Eure Stimmen hören – heute und bei der Vollversammlung in den nächsten Tagen!“ rief Marianne Wagner, Vorsitzende der EMS-Vollversammlung und des Missionsrates, den etwa 25 Teilnehmerinnen der Vorkonferenz zur EMS-Vollversammlung in ihrem Grußwort zu. Es sei wichtig, so Wagner, die auch Pfarrerin für Weltmission und Ökumene der Evangelischen Kirche der Pfalz ist, dass sich die weiblichen Delegierten schon vorher kennenlernten, um Gemeinsamkeiten zu entdecken und sich für die Vollversammlung gegenseitig zu stärken. „Die EMS ist kein Missionswerk mehr, sondern eine Gemeinschaft von gleichberechtigten Mitgliedskirchen – und ohne Frauen gäbe es keine Kirchen!“, sagte Wagner, die anmahnte, dass Frauen nicht nur auf der unteren Ebene, sondern auch in den Entscheidungsgremien ihrer Kirchen vertreten sein sollten.

Die Vorkonferenz der Frauen stand unter dem Thema Häusliche Gewalt – ein Thema, das die Frauen in allen Mitgliedskirchen, aller Generationen und Gesellschaftsschichten umtreibt. Pfarrerin CHEON Min-Heui von der Presbyterianischen Kirche in der Republik von Korea (PROK), berichtete über das Beratungsangebot ihrer Kirche für Frauen, die Häusliche Gewalt erfahren. Vor allem auf dem Land seien die Probleme gravierend – aber kulturell bedingt dürften Frauen innerfamiliäre Probleme nicht nach außen tragen. „Das Gesicht einer Frau soll einer Maske gleichen und keine Gefühle zeigen, wenn sie über ihre Ehe spricht“, sagte CHEON. Daher koste es Frauen oft ungeheuren Mut, sich in ihrer Not an Außenstehende zu wenden.

Die Jugenddelegierte Grace Owusuaa von der Presbyterianischen Kirche in Ghana (PCG) berichtete über das Problem in Ghana, Häusliche Gewalt zu definieren. „Der Mann darf seine Frau und Kinder disziplinieren, aber die Grenze zwischen Disziplinierung und Gewalt ist nicht klar gezogen.“ Den Mann zu verlassen, sei für eine Frau in Ghana undenkbar – und schon aus materiellen und finanziellen Gründen fast unmöglich, sagte Owusuaa, obwohl es Gesetze gäbe, auf die Frauen sich berufen könnten. In Indien sei eine Frau zuerst ihrem Vater „untertan“, dann ihrem Ehemann und schließlich dem Sohn. „Die meisten Frauen in Indien sind lebenslang abhängig von einem Mann“, sagte Synthia Sobha Rani Chopra, die in der Kirche von Südindien (CSI) Generalsekretärin der Frauenarbeit ist. Josefina Hurtado Neira von der Stabsstelle Gender von Mission 21 – Basler Mission berichte über das Engagement kirchlicher Frauengruppen in Indonesien, die immer wieder Frauenhandel skandalisierten und so auch erfolgreich politische Aufmerksamkeit erzeugten.

Die Frauen der Vorkonferenz verständigten sich darauf, in der Vollversammlung eine Resolution gegen Häusliche Gewalt einzubringen, die von allen EMS-Mitgliedern unterstützt werden solle. „Auch wenn manche Kirchen schon einen guten Weg zurückgelegt haben, so brauchen wir diese gegenseitige Vergewisserung und den Rückhalt, um in tabuisierten Bereichen weitere Schritte gehen zu können“, sagte Gabriele Mayer, die Leiterin der Stabsstelle Frauen und Gender der EMS, die diese Konferenz vorbereitet hatte. Sie verwies darauf, dass es auch EMS-Kirchen gebe, in denen noch keine Frauen in Entscheidungsgremien säßen. Das signalisierten die frei gebliebenen Stühle im Raum – für die noch fehlenden Mitglieder der Frauenkonferenz und der Vollversammlung.

Die Vollversammlung der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) tagt vom 4. bis 8. November 2014 in Arnoldshain. Im Vorfeld trafen sich weibliche Delegierte und Gäste zur Vorkonferenz der Frauen. Der Vollversammlung als dem höchsten Leitungsorgan der EMS gehören 51 Delegierte aller 28 Mitglieder an. Sie entscheiden gemeinsam über die inhaltliche Ausrichtung der Gemeinschaft und ihre langfristige Strategie.

Regina Karasch-Böttcher

Quelle: Evangelische Mission in Solidarität (EMS)

Partnerschaftsvertrag mit Papua-Kirche unterzeichnet

Pfälzische Delegation kehrt von Indonesien-Reise zurück – Mögliche Förderprojekte im Blick

Speyer (lk). Die Evangelische Kirche der Pfalz ist nun offiziell Partnerkirche der „Evangelischen Kirche im Lande Papua“ (GKI-TP). Bei einem Besuch im indonesischen Teil der Insel Papua unterzeichnete der pfälzische Ökumenedezernent, Oberkirchenrat Manfred Sutter, den Partnerschaftsvertrag gemeinsam mit dem einheimischen Kirchenpräsidenten Alberth Yoku.

Die Unterzeichnung fand auf der Insel Mansinam statt, wo sich – wie jedes Jahr – etwa 15.000 Christen versammelt hatten, um in einem Festgottesdienst an die Gründung ihrer Kirche am 5. Februar 1855 zu erinnern. Damals betraten die beiden deutschen Missionare J. G. Geissler und C. W. Ottow papuanischen Boden. Der 5. Februar ist in ganz West-Papua Feiertag. In Straßenumzügen und szenischen Darstellungen wird an Geissler und Ottow erinnert. Zugleich werden aktuelle soziale Herausforderungen thematisiert, wie etwa Alkoholmissbrauch, häusliche Gewalt und Umweltverschmutzung.

In den Gesprächen der sechsköpfigen Delegation um Manfred Sutter spielte auch das Thema Menschenrechte eine wichtige Rolle. Polizei und Militär der indonesischen Zentralregierung gehen immer wieder gewaltsam gegen Unabhängigkeitsbestrebungen der Papuaner vor – so auch während der Anwesenheit der Pfälzer auf der Insel Yapen. Das Menschenrechtsbüro der GKI-Kirche berät unter anderem Menschen aus dem Landesinneren, denen ihr angestammtes Land entwendet wird, damit internationale Unternehmen die papuanischen Rohstoffe ausbeuten können.

„Mich beeindruckt, wie unsere Partner auf die schwierige Situation mit Glaubensstärke und Mut reagieren“, sagt Oberkirchenrat Sutter im Rückblick. Berührt habe ihn auch die unüberbietbar herzliche Gastfreundschaft, die der Delegation entgegengebracht wurde. Besucht wurden unter anderem Fischerdörfer und Kleinstädte in der Region Waropen am Ufer der Paradiesvogelbucht sowie auf den Inseln Biak und Yapen. Mit den Kirchenbezirken Waropen Atas und Waropen Bawah unterhält die Evangelische Kirche der Pfalz seit 1989 Beziehungen.

In den Gesprächen der Delegation in Waropen wurde deutlich, dass dort die Menschen vor allem in Sachen Berufsausbildung und der Mobilität auf dem Meer immer noch vor großen Herausforderungen stehen. „Hier könnten wir mit unseren Partnern gemeinsam Projekte entwickeln“, so Sutter.

11.02.2014, Speyer

Quelle: Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche)

Pfälzer Delegation reist zur Partnerkirche nach Papua

Offizieller Vertrag wird unterzeichnet – Seit 1989 Kontakt zu Protestanten in Ozeanien

Speyer/Waropen (lk). Eine Delegation der Evangelischen Kirche der Pfalz reist am Dienstag, 28. Januar, zur Partnerkirche in West-Papua. Im Mittelpunkt des Besuchs steht die Unterzeichnung eines offiziellen Partnerschaftsvertrages mit der „Evangelischen Kirche im Lande Papua“ (Gereja Kristen Injili di Tanha Papua, GKI-TP). Mit Oberkirchenrat Manfred Sutter ist erstmals ein Mitglied der pfälzischen Kirchenleitung in diesem indonesischen Teil Papuas zu Gast.

Ein wichtiges Thema werde die Menschenrechts- und Bildungsarbeit der Evangelischen Kirche in Papua sein, erklärt Oberkirchenrat Sutter. „Wir besprechen mit unseren Partnern, welches ihrer Bildungsprojekte wir sinnvoll fördern können.“ Die sechsköpfige Delegation aus der Pfalz werde mehrere Gemeinden in Waropen und auf den größeren Inseln der Paradiesvogel-Bucht besuchen. Höhepunkt der Reise dürften die Festlichkeiten auf der Insel Mansinam werden, wo sich immer am 5. Februar mehrere Tausend Christen Papuas versammeln, um der Ankunft der ersten Missionare – zweier Deutscher – zu gedenken, die 1855 das Land betraten.

Von den vier Partnerkirchen der Pfalz in Übersee soll Papua in den nächsten beiden Jahren schwerpunktmäßig in den Blick genommen werden, sagt Marianne Wagner, Pfarrerin für Weltmission. „Das ist ein günstiger Zeitpunkt, denn mit Pfarrer Welman Boba haben wir zurzeit einen ökumenischen Mitarbeiter in der Pfalz, der uns sprachlich und interkulturell eine große Hilfe ist beim Austausch mit Papua.“ Die pfälzische Delegation, zu der auch Wagner und Boba gehören, soll am 9. Februar nach Deutschland zurückkehren.

Erste Kontakte zwischen den evangelischen Kirchen der Pfalz und Papuas wurden bereits 1989 geknüpft. Auf Gemeindebasis stehen der Papua-Kirchenbezirk Waropen mit dem pfälzischen Kirchenbezirk Rockenhausen und der Kirchengemeinde Erfenbach in Kontakt.

27.01.2014, Speyer

Quelle: Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche)