Aufstehen zum Leben für die Eine Welt

Das Programm des Ökumenischen Pfälzer Forums beim Kirchentag widmet sich den globalen Herausforderungen

„Aufstehen zum Leben“ global und interreligiös: Rund um die Gedächtniskirche liegt das Eine-Welt-Zentrum des ökumenischen Kirchentages. Klimawandel, Nachhaltigkeit, Bewahrung der Schöpfung sowie Frieden und Gerechtigkeit sind die Themen, um die es auf der Bühne neben der Kirche, im Martin-Luther-King-Haus und den Infoständen auf dem Platz geht. Organisiert hat das vielseitige Programm das Ökumenische Pfälzer Forum.

Auf der Bühne kommen Vertreter von Hilfswerken und Initiativen zu Wort. Dazwischen machen Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Erdteilen Musik. Zweimal ist die Bühne am Samstag ein Ort der Würdigung beispielhafter nachhaltiger Projekte: Ausgezeichnet werden fünf Experimente der Lebensstilkampagne „Gutes Leben. Für alle!“, die vom Bistum Speyer, dem Katholikenrat und Misereor getragen wird. Preisgekrönt werden auch zehn protestantische Kirchengemeinden, die sich erfolgreich an der Klimaschutzinitiative der Evangelischen Kirche der Pfalz „Wir sind erneuerbar!“ beteiligt haben.

An beiden Kirchentagen lädt das Interreligiöse Café zu einer Pause ein. Es ist ein Projekt der jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, der türkisch-islamischen Gemeinde Speyer, der evangelischen Gesamtkirchengemeinde und der katholischen Stadtpfarreien Speyers in Zusammenarbeit mit dem Café Asyl.

Der Klimawandel geht alle an
Bei der ersten Podiumsveranstaltung des Programms diskutieren fünf Fachleute mit Moderator Dr. Frank Jöst über das Thema: „Nach uns die Sintflut? Bewahrung der Schöpfung im Kontext des Klimawandels“.

Prof. Dr. Keilen, stellvertretender Abteilungsleiter Energie- und Strahlenschutz im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung gibt den Zuhörern die Botschaft mit „Klimaschutz ist ein Gewinn, auch ökonomisch!“ Er wirbt für energiesparende Investitionen jedes Bürgers im eigenen Haushalt.

Auch wenn die großen weltweiten Konferenzen bisher wenig Ergebnisse in Sachen Klimaschutz gebracht haben: für Heinz Fuchs von Brot für die Welt sind diese Treffen die einzige Möglichkeit für Länder, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, ihre Stimme zu erheben. Diese Staaten seien nicht selbst Verursacher, hätten aber besonders die Folgen zu tragen. „Sie leiden, der Klimawandel ist ein Armutstreiber“, sagt Fuchs. Es gehe auch darum, zu regeln, wer die Kosten des Klimawandels trage. „Es braucht Anerkennung das Klimawandel ein zentrales Problem ist, bei dem es um das Überleben des Planeten geht.“

Das Engagement der Kirchen gegen den Klimawandel begründet der Umweltbeauftrage der Diözese Speyer, Steffen Glombitza, mit dem „Auftrag der Christen, die Schöpfung zu bewahren“. Er lädt zur Teilnahme am Klimapilgerweg der Kirchen im November nach Paris ein, der ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz setzen will. Bärbel Schäfer, Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz, verweist auf das erfolgreiche Energiemanagementprojekt für Gemeinden der Landeskirche. Nicht nur der Klimaschutz profitiere davon. „Es lohnt sich für die Gemeinden. Sie sparen Energie und entlasten ihren Haushalt.“

Reiche bestimmen die Regeln…aber
Als es beim letzten Podium des Tages um das Thema „Die Reichen bestimmen die Regeln? – Gerechtigkeit als Anspruch an Politik und Wirtschaft in der globalen Welt“ geht, platzt der große Versammlungsraum im Martin-Luther-King-Haus aus allen Nähten. Die drei Gesprächspartner von Pfarrerin Marianne Wagner sind der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerkes Misereor Pirmin Spiegel, Schwester Karoline Mayer, Gründerin der Stiftung Cristo Vive, die mit Projekten in Chile, Peru und Bolivien gegen Armut und Ausbeutung und für ein Leben der Armen in Würde kämpft, und Rafael Fellmer, Mitbegründer von Foodsharing und Autor des Buches „Glücklich ohne Geld“.

Reiche haben entscheidenden Einfluss auf Politik und Lebensbedingungen der Menschen, diese Erfahrung teilen Schwester Karoline und Pirmin Spiegel. „Wir sollten nicht naiv sein. Die Armen sitzen nicht am Tisch, wenn zum Beispiel über Handelsabkommen verhandelt wird“, sagt der Misereor-Chef. Aber er hat die Hoffnung auf Veränderung nicht aufgegeben. Viele kirchliche Initiativen setzten Zeichen der Solidarität mit den Armen und er bekräftigt: „Wir haben die Aufgabe, Lobbyarbeit für die Menschen zu machen, die arm sind.“

Schwester Karoline, die der Kampf gegen Armut vor über 40 Jahren in die Armenviertel in der chilenischen Hauptstadt Santiago führte, betont: „Ich kann mich bis heute nicht an Armut gewöhnen.“ Sie habe die Erfahrung gemacht, dass trotz Armut viele Menschen glücklich seien, wenn sie etwas für andere tun könnten und teilten. Teilen bedeute Freude und Freude sei Lebenskraft. „Ich habe viel von den Armen gelernt“, sagt sie. Bis heute wohnt und arbeitet sie in einem der armen Viertel von Santiago. Ihr Appell: Angesichts einer zunehmenden Individualisierung und eines steigenden Egoismus in der Gesellschaft sei es heute besonders wichtig, sich für eine Welt der Gerechtigkeit zu engagieren.

Es sind nicht immer die (reichen) Anderen: „Wir alle hier sind reich, wir konsumieren mehr als unser Planet hat, und wenn alle das so machen würden, bräuchten wir mehrere Erden“, betont Rafael Fellner und plädiert dafür, den eigenen Lebensstil zu verändern, weniger zu konsumieren. Die wichtigsten Dinge des Lebens wie Freude, Liebe, Glück seien ohnehin nicht zu kaufen.

Auch Pirmin Spiegel plädiert für eine Veränderung des Lebensstils. Es sei wichtig, sich einzumischen und Politik mitzugestalten. Gerade Christen trügen dafür Verantwortung, dass die Hoffnung auf eine gerechtere Welt nicht verloren gehe. „Seien Sie Gesicht und Träger der Hoffnung“, ermutigt Spiegel am Schluss der langen Diskussion alle Engagierten.

Quelle: www.oekt-pfalz.de

 

zurück