Idee #10 Offene Kirchen in Corona-Zeiten – Frische Ideen, praktische und rechtliche Hinweise

Offene Kirche sind gerade jetzt segensreich. Menschen können ihre persönlichen Anliegen und ihre Sorgen vor Gott zu bringen und finden zur Ruhe.

Jedoch erfordert der Schutz vor dem Coronavirus, dass besondere Maßnahmen getroffen werden.

Für manche Landeskirchen würde dieser Schutz so weit gehen, dass sie ihn nicht gewährleistet sehen und deshalb offene Kirchen nicht befürworten können.

Die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers etwa schreibt: „Die Empfehlung, Kirchen offen zu halten für stilles Gebet und Andacht, halten wir nicht weiter aufrecht. Eine hinreichender hygienischer Schutz ist nicht zu gewährleisten. Bitte haben Sie daher Verständnis, dass die Kirchen vorerst geschlossen bleiben müssen.“

In der Pfalz sieht die Situation anders aus.

Die Gedächtniskirche der Protestation in Speyer hat weiterhin geöffnet.

Und so manche Dorfkirche, die normalerweise geschlossen ist, öffnet gerade jetzt ihre Pforten, um dem Bedürfnis vieler Menschen entgegen zu kommen.
„Krisenzeiten sind Kirchenzeiten“, sagt Kirchenpräsident Christian Schad.

Einige Punkte, die dabei jedoch beachtet werden müssen:

Die Pfälzische Landeskirche hat folgende Richtlinien, die u.a. auf der Homepage nachzulesen sind:

„Es ist strengstens darauf zu achten, das

  • weder Andachten gefeiert noch kirchenmusikalische oder seelsorgerliche Angebote gemacht werden,
  • Gesangbücher nicht ausgelegt werden,
  • eine verantwortliche Person dafür Sorge trägt, dass sich immer nur eine kleine, überschaubare Personenzahl im Kirchenraum aufhält, und der Mindestabstand zwischen Personen 1,5 Metern beträgt (Faustregel: höchstens eine Person pro 10 qm Einrichtungsfläche),
  • die Öffnung der Kirche nicht über Medien verbreitet wird.

Die Entscheidung, ob die Kirche geöffnet wird, obliegt den Kirchengemeinden.“

Soweit die rechtlichen Rahmenbedingungen.

Viele Kolleg*innen sind in diesen Wochen im Gespräch über die „Offene Kirche“.

Dabei bilden sich Elemente einer neuen Praxis heraus, von denen ich hier sieben erwähnen möchte, die weitere Verbreitung gefunden haben. Und es wird deutlich, dass diese neuen Übungen wiederum zu Handlungsempfehlungen führen, über die sich Presbyterien und Verantwortliche vor Ort verständigen:

 

Neue Elemente offener Kirchen und was dabei beachtet werden sollte:

  • Manche Gemeinden machen die Besuchenden mit einem Aushang auf die Einhaltung der Hygieneregeln aufmerksam und darauf, dass das Kirchengebäude in eigener Verantwortung betreten wird.
  • In vielen Kirchen besteht die Möglichkeit, Gebetsanliegen aufzuschreiben: auf einer Gebetswand (prayer walls, wie sie in der anglikanischen Kirche üblich sind) oder in einem Fürbittenbuch.

-> Das Schreibgerät sollte nach jeder Benutzung desinfiziert werden.

  • Kerzen, die angezündet werden können, kommen besonders in Zeiten der Not einem tiefen Bedürfnis vieler Menschen entgegen.

-> Nach dem Abbrennen sollte die Kerze ohne weitere Berührung entsorgt werden.

  • Viele Gemeinden legen Predigten („Predigt to go“) oder biblische Texte, kurze Andachtsimpulse und vorformulierte Gebete aus.

-> Was angefasst wurde, sollte auch mitgenommen werden.

Hintergrund: Noch ist scheinbar unklar, wie lange das Virus auf glatten Flächen überlebt. Die Vermutungen der Experten gehen weit auseinander.

  • Falls möglich, sollte eine Gelegenheit zum Händewaschen oder -desinfizieren angeboten werden.
  • In der Kirche können Kontaktdaten ausgehängt werden, so die Telefonnummer der jeweiligen Pfarrperson für ein seelsorgliches Gespräch oder von Menschen, die sich als Einkaufshilfe zur Verfügung stellen oder…
  • Manche Gemeinden laden zum kreativen Gestalten ein: Gedanken, Gedichte, Videos, Bilder, kleine Kunstwerke, Sprachnachrichten, Erfahrungsberichte…
    All das kann eingereicht werden und so entstehen Collagen, entweder analog an einer Schauwand oder per Beamer projiziert. Während der Öffnungszeit in der Kirche sind sie zu sehen und/oder zu hören.

-> Achtung: aus dem Betrachten darf keine „Versammlung“ entstehen.

Gunter Schmitt