Idee #16c Zwischenbericht zum digitalen Gottesdienst – Zur Inszenierung und Beratungsangebot

Zur Inszenierung:

Zur Inszenierung eines analogen und digitalen Gottesdienstes stellen sich die gleichen Fragen:

Wie ist das Geschehen? Wie vermittle ich im Gottesdienst? Wie wirkt das Geschehen auf die Teilnehmenden?

Gerade bei digitalen Formaten ist die Inszenierung äußerst wichtig, da durch den eingeschränkten Blickwinkel der Kameraaufnahme der Fokus auf der/den handelnden Person/en und dem Ort um sie herum liegt.

Kulisse:

– Wie sieht der auf der Aufnahme/Übertragung sichtbare Kirchenraum aus?

Alles was mit der Kamera/Smartphone aufgenommen wird, ist für Zuschauer auch sichtbar. Deshalb sind Vorbereitungen wichtig. Möglich wäre bspw. ein „Szenenbild“ passend zum Leitbild eines Gottesdienstes zu schaffen (wie bspw. an Erntedank oder der Osternacht).

  • Den Altar schmücken (bspw. Blumen, Tücher, Kerzen, Figuren).
  • Den Raum passend dekorieren (bspw. Pflanzen verteilen, etwas Gebasteltes von Gemeindeglieder mit aufnehmen/aufstellen).
  • Die Kirchenfenster können mit in die Kulisse einfließen.
  • Die Gesamtkulisse unterscheidet sich eventuell von der Kulisse der liturgischen Orte (je nach Aufnahme):
    • Die totale Einstellung hat „nur“ die Gesamtkulisse im Bild, vor der die Handlung stattfindet
    • Zooms haben nur Teilausschnitte der Kulisse, dafür sind sie näher. Die Kulisse ist dann nur in Ausschnitten zu sehen.
    • Kamerawechsel bzw. Perspektivwechsel verändern das Bild für den Zuschauer. Das ist wichtig für die Vorbereitung der Kulisse (Bsp.: Aus der Totalen sehe ich nicht, was hinter dem Altar steht. Aber man kann einen Teil hinter dem Altar sehen, wenn die Lesung am Ambo von links aus gefilmt wird, um den Liturgen zentral im Bild zu haben).

Beleuchtung:

– Was ist beleuchtet, was weniger und was nicht?

Licht ist äußerst entscheidend dafür, wie etwas wahrgenommen wird. Ob etwas hell oder dunkel ist, ob etwas im Fokus steht oder nicht, ob ein Raum Geborgenheit schafft oder bedrohlich wirkt, entscheidet auch die Beleuchtung. Dies kann man sich zu nutzen machen.

  • Raum ausleuchten: Der Raum wird dadurch nicht nur heller, sondern auch höher und weiter.
  • Bestimmte Gegenstände oder Personen anleuchten: Der Fokus liegt ganz auf der beleuchteten Stelle.
  • Licht- und Schattenspiel: Neben Licht können auch Schatten und Dunkelheit bewusst eingesetzt werden. Schatten sind sogar für Kameraaufnahmen wichtig, weil sie für eine dreidimensionale Wahrnehmung und die Tiefe des Raumes sorgen.
  • Sonnenlicht kann wie im „normalen“ Gottesdienst gut zur Beleuchtung dienen.

Kameraeinstellungen:

Im analogen Gottesdienst entscheiden die Teilnehmenden darüber, wo sie sitzen und damit auch darüber, was und wie sie sehen. Dies geht digital nicht, alle sehen immer das gleiche Bild. Deshalb sind Überlegungen über den Standort der Kamera, wie und was aufgenommen wird wichtig und sollten vorab bedacht werden. Das spart viel Arbeit bei der Bearbeitung.

– Von wo nehme ich auf?

Der Standort bestimmt, was die Teilnehmenden sehen:

  • Standorte der Aufnahmen bewusst wählen (Bsp.: Leicht schräg zum Altar filmen, damit das Kreuz und die handelnde Person sich nicht gegenseitig verdecken).
  • Es können mehrere Aufnahmepositionen benutzt werden, um Abwechslung für die Zuschauenden zu schaffen. Verschiedene Perspektiven machen das Zuschauen interessanter und abwechslungsreicher.
  • Überlegenswert ist ebenso der Kamerawinkel: Von oben herab zu filmen macht die handelnde Person klein. Von unten nach oben zu filmen, lässt die Person übermächtig erscheinen und wirkt oft bedrohlich.
  • Ähnliches gilt für aufgenommene liturgische Orte, Symbole oder andere Teile der Kulisse: Von unten wirken sie groß, von oben klein.

– Wie nehme ich auf?

Bewegung in die Aufnahme bringen:

  • Bewegungen von Ort zu Ort unbedingt filmen, das nimmt die Zuschauenden mit. Empfehlenswert sind mindestens zwei Aufnahmen aus verschiedenen Kamerawinkeln bzw. von verschiedenen Positionen aus zu machen und diese bei der Bearbeitung zusammenzufügen (Bsp.: Person wird von Ort A weglaufend gefilmt und an Ort B ankommend. Dies wird dann zusammengeschnitten).
  • Die Kameraführung schafft durch Heran- und Weg- Zoomen ebenso Bewegung. Auch hier gilt, sich gut zu überlegen, auf was gezoomt wird.
  • Langsame, kontrollierte und fließende Bewegungen beim Filmen machen, keine schnellen und ruckelnden Schwenks. Das sieht nicht nur unprofessionell aus, sondern irritiert auch sehr.

– Was nehme ich auf?

Auf das Wesentliche konzentrieren:

  • Es ist nicht nötig dauerhaft den gesamten Chorraum zu zeigen, einen Ausschnitt mit der/den handelnden Person/en und bspw. dem Altar reicht aus.
  • An die Personen und Objekte nah heranzoomen.
  • Aufpassen, dass keine Dinge zu sehen sind, die die Zuschauenden vielleicht irritieren oder stören könnten

Moderation und Anleitung:

– Wie kann eine Gemeinde im digitalen Gottesdienst angeleitet werden?

Gerade bei digitalen Formaten sind die Moderation des Gottesdienstes und die Anleitung bei Handlungen und Ritualen, welche die Teilnehmenden (mit-) ausführen entscheidend. Ohne eine gute Anleitung und Moderation kann es gerade bei interaktiven Formaten zu Irritationen kommen, die wiederum das Gottesdienstgeschehen stören können.

  • Zu Beginn des Videos kann die Online-Gemeinde angeleitet werden, sich auf den Gottesdienst vorzubereiten (z.B.: „Nehmt euch Zeit, holt euch eine Kerze, zündet sie noch nicht an. Vielleicht wollt ihr auch rausgehen und zwei Äste sammeln, um ein Kreuz zu legen. Und vielleicht mögt ihr auch Blumen dazustellen oder dazulegen.“)
  • Die Erfahrung und die Rückmeldungen der Gottesdienstbesucher haben gezeigt, dass dieses Innehalten vor dem Gottesdienst eine Hilfe zum Gottesdiensterleben ist, ähnlich wie der stille Gang und das stille Gebet vorm analogen Gottesdienst.
  • Rituale und Handlungen können den Teilnehmenden für ein besseres Verständnis erklärt werden. Das bindet sie mehr in das Geschehen mit ein.

Interaktion:

– Wie können Teilnehmende und Gemeindeglieder am Gottesdienst mitwirken?

Das Mitwirken der Teilnehmenden bringt neben Bild und Ton auch Aktion mit nach Hause. Insbesondere lange Monologe ohne jegliche Bewegung wirken bei digitalen Formaten schnell zäh und langatmig. Deshalb sind Mitwirken und Interaktion wichtig. Einige Beispiele:

  • Fürbittstrophen während eines längeren Liedes oder Musikstückes schreiben lassen, die dann im Fürbittgebet mit verlesen werden (bei Live-Gottesdiensten).
  • Lesungen an Zuschauende verteilen, die dann zugeschaltet werden. (live oder per Aufnahme)
  • Musik/Soloparts an Zuschauende verteilen. (live oder per Aufnahme)
  • Predigten/Predigtteil mit gemeinsamem Arbeitsauftrag (bspw. etwas Einfaches und thematisch zur Predigt Abgestimmtes basteln).
  • Von den Gemeindegliedern selbst geschriebene Gebete oder Geschichten verlesen.
  • Predigttext oder Predigtthema vor dem Gottesdienst von Zuschauenden erfragen und danach die Predigt ausrichten.

Symbolische Handlungen und Rituale:

– Wie handle ich im Gottesdienst?

Der Fokus aller Zuschauer liegt auf dieser Handlung oder diesem Ritual, da der Zuschauer digital nicht entscheiden kann, wo er im Kirchenraum hinsieht. Er kann nur zusehen oder nicht zusehen.

Generell gilt: Symbolische Handlungen und Rituale binden Teilnehmenden an das Geschehen. Sie können Spannung aufbauen und zur Dramaturgie des Gottesdienstes beitragen.

  • Genaue Überlegung wie ein Ritual abläuft, welche Rolle es im Gottesdienst spielt und wie es würdig gestaltet werden kann. (Bsp. Osternacht: Läuft ein Mitwirkender schnell zur Osterkerze und zünde sie hektisch mit einem Gasfeuerzeug an oder wird die Kerze in absoluter Dunkelheit brennend in die Kirche und zum Altar getragen)
  • Bei Handlungen und Ritualen langsame und deutliche Bewegungen machen. Dadurch entsteht nicht nur Spannung, es hilft den Teilnehmenden auch die Handlung oder das Ritual wahrzunehmen und es auf sich wirken zu lassen.
  • Erklärungen, was die Handlung genau ist und warum sie getan wird, helfen den Teilnehmenden zu verstehen, was passiert.

Liturgische Orte:

– Wo stehe ich? Wo laufe ich hin? Wo mache ich was?

Liturgische Orte und der Standort des Liturgen an den liturgischen Orten können sich bei einem digitalen Gottesdienst ändern. Alle Zuschauer haben die gleiche Sicht auf das Geschehen und die normalen Standorte können wichtige Symbole verdecken.

  • Liturgische Orte und Standorte können wechseln.
  • Keine Symbole und/oder gestaltete Elemente sollten verdeckt werden.
  • Rituale ohne Hindernisse für die Zuschauer durchführen.
  • Langsam aber bestimmt zu den Orten laufen. Der Fokus aller Zuschauer liegt ganz auf dem Weg von A nach B
  • Beim Verlassen von liturgischen Orten nicht aus dem Bild laufen. Der/die Zuschauer*in wird dadurch allein gelassen, da der Kirchenraum und die körperliche Anwesenheit anderer Personen fehlen.

Mitwirkende:

– Wer gestaltet den Gottesdienst mit?

Mitwirkende sind nicht nur dankbar, wenn sie mitwirken dürfen. Verschiedene Mitwirkende schaffen auch Abwechslung im Gottesdienst selbst und bringen meist eigene kreative Ideen mit. Mögliche Mitwirkende:

  • Ein/e oder mehrere Liturg*innen
  • Organist*in
  • Solist*innen, Chöre, Band (geht auch digital)
  • Assistent*innen (bspw. beim Abendmahl)
  • Techniker*innen für Kamera, Ton, Licht
  • Dekorationsteam

Kleidung:

– Was tragen die Mitwirkenden des Gottesdienstes?

Da der Fokus auf den handelnden Personen liegt, kann auch die Rolle der Kleidung wichtig sein.

  • Talar oder kein Talar
  • Einheitliche Kleidung der Mitwirkenden oder bewusst nicht
  • Passende Details an der Kleidung können ebenso gut in den Gottesdienst mit eingebaut werden.
  • Unifarbene Kleidung ist für den Zuschauer in der Regel angenehmer zu betrachten.

Mimik und Gestik:

– Was mache ich mit meinem Gesicht und meinen Händen?

Mimik und Gestik werden viel deutlicher sichtbar, da der Fokus auf der handelnden Peron liegt oder sogar auf das Gesicht gezoomt wird. Ein Tipp hierfür ist, sich selbst zu filmen und sich anzuschauen, was man bewusst und unbewusst macht (bspw. Brille richten oder auf den Zehen wippen).

  • Gut gelaunt Aufnahmen machen.
  • Langsam gestikulieren, sonst wirken Bewegungen schnell hektisch.
  • Deutlich sprechen.
  • Lieber zwei Mal aufnehmen als etwas zu senden, was ungünstig aussieht oder komisch wirkt. (geht live natürlich nicht)
  • Eine Maske (Frisieren, pudern, schminken) kann hilfreich sein.

Musik:

– Wer macht Musik und wie wird sie gemacht oder eingespielt?

Musik ist ein wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes und bleibt es auch in digitaler Form. Die digitale Form bietet sogar die Möglichkeit mehrere Aufnahmen zu machen und nach der Qualität der Aufnahmen zu entscheiden, welche man im Gottesdienst benutzt. Musikaufnahmen können auch bei Live-Gottesdiensten eingespielt werden.

Beratungsangebot:

Zwei engagierte Pfälzer Lektoren machen Gemeinden ein verlockendes Angebot:

Sie bieten eine Online-Plattform für Kirchengemeinden, die eigene Online-Gottesdienste lokal erstellen und dabei beraten und unterstützt werden möchten. Viele praktische Fragen, die sich Kirchengemeinden jetzt überall stellen (Ästhetik, Technik, Musik, Rechtliches u.a.) sind von den beiden schon bedacht und geklärt worden.

Hier ist eine Verlinkung zu dem, was die beiden als Begleitung für Kirchengemeinden derzeit leisten können und aktiv umsetzen. Dieses Angebot wird weiter angepasst.

https://www.webkirche.com/unser-angebot/

 

Johannes Rossell