Idee #21 Briefeschreiben – ur-christliche Kommunikation jetzt wiederentdecken

Zu Beginn der Corona-Krise ermunterte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Briefeschreiben, um in Zeiten von Corona die Einsamkeit zu durchbrechen.

Gerade für ältere Menschen, die auch in Zeiten der Lockerungen vorsichtig sind mit sozialen Kontakten, ein schönes Zeichen der Nähe.

Beim 80. Geburtstag meiner Mutter habe ich es erlebt: viele wollten sie nicht besuchen, aber haben all die Liebe, die sie sonst in der Umarmung zum Ausdruck gebracht hätten, in die schriftlichen Worte gelegt.

Was eine schöne Sache! Und ur-christlich! Der Brief war das Kommunikationsmittel der Urchristenheit und seine schnellen Transportwege durch ein ausgeklügeltes Postsystem der Garant dafür, dass Christen und Gemeinden in Kontakt bleiben konnten, einander Trost und Zuversicht spenden konnten.

Ich habe den Eindruck: In der Krise des Jahres 2020 sind die Katholiken uns Protestanten da voraus.

In dem kleinen Dorf, in dem ich seit fünf Jahren lebe, schreiben die Pfarrgemeinderatsmitglieder seit Beginn der Krise Briefe – nicht nur an Gemeindemitglieder, aber immer persönlich. Und im Briefumschlag liegt immer auch eine Andacht oder ein kleines Geschenk.

Das ganze Bistum Speyer ruft dazu auf, den Stift in die Hand zu nehmen, um anderen Menschen etwas mitzuteilen – nicht digital, sondern ganz analog auf einem Blatt Papier.

Das Projekt „Segenspost“ will in Corona-Zeiten Distanz zwischen Menschen überbrücken.

„Die Menschen können erzählen, wie es ihnen als Einzelperson, Gemeinde oder Gruppe in diesen Corona-Zeiten ergeht“, schreibt Initiator Felix Goldinger.

Goldinger regt zudem an, im Buch der Bücher zu blättern, um sich von einer Bibelstelle inspirieren zu lassen. Sie könne ein Aufhänger sein, einen Brief zu beginnen, aber ebenso dazu animieren, die Aussagen der Schriftstelle auf die derzeitige Situation zu übertragen, um dann die Erkenntnisse mitzuteilen.

Das könnten wir Protestanten, als Mitglieder einer „Kirche des Wortes“ doch auch, oder?

Wer in Ihrer Umgebung würde sich über einen wunderbar altmodischen Brief freuen?

Viel Spaß beim Wiederentdecken des Briefeschreibens wünscht

Gunter Schmitt