Newsletter Guggemol: Familienerinnerung

Guggemol: Familienerinnerung

Teil unseres Lebens sind Veränderungen, wir wachsen heran, ergreifen Berufe, bekommen vielleicht Kinder, unsere Eltern werden alt, wir werden alt.

Aktuell erlebe ich hautnah, wie das Alt-werden und Alt-sein plötzlich raumgreifendes Thema ist. Ob ich will oder nicht, es beschäftigt mich.

„Im Grunde ja gut so“, denke ich mir, denn es ist ja Teil unseres Lebens. Aber wie sich „Alt-sein“ anfühlt, für jeden individuell, weiß ich noch nicht. Ich bemühe mich, mich einzufühlen.

„Wieso muss ich so alt werden?“ fragt mich meine schmerzgeplagte Angehörige regelmäßig und ich habe keine Antwort. Die Nähe der Familie ist ihr wichtiger als früher, unsere gemeinsame Beziehung rückt mehr in den Vordergrund.

Wir sprechen kaum mehr über Kommendes, meist über die Vergangenheit. Sie erzählt von ihren Erinnerungen, meist aus der Kindheit und Jugend der späteren Kriegsjahre. Oder über die Studienjahre, aktives Glücksuchen voller Offenheit und auch gesellschaftlichem Tatendrang der Nachkriegsjahre. Ihre Geschichte verknüpfen wir im Gespräch hie und da mit der Familiengeschichte und finden gemeinsame Erinnerungen.

Die Geschichte unserer Familie ist ein Teil von uns, jedes Familienmitglied hat einen anderen Blick darauf und würde sie wahrscheinlich auch ein wenig anders erzählen.

Familienerinnerung, Bildquelle: pixabay

Mir wird deutlich, unsere eigene Geschichte, unsere eigenen Erinnerungen können uns Halt geben. Halt und einen Rückzugsort bieten, wenn das Leben sich verändert, wenn der Lebensradius kleiner, die Themen weniger werden und es ruhiger wird.

Unsere Familienerinnerungen verbinden uns über Generationen hinweg. Vielleicht finden wir im Gespräch gemeinsame, angenehme Erinnerungen. Geteilte Erinnerungen können so zu einem kleinen Schatz werden, den wir immer wieder hochholen können – der Ausdruck unserer Beziehung zueinander ist.

Eure Suse Düring-Hesse