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Guggemol: “Fette Erde”

Ich liebe Spaziergänge- eigentlich zu jeder Jahreszeit.

Einfach raus, ein paar Schritte gehen, den Kopf frei bekommen. Bei mir zuhause bin ich nach wenigen Metern zwischen den Feldern. Rund um mein Dorf sind es meistens Zwiebeln, Spargel und Salate, die angebaut werden. Die Felder verändern sich je nach Jahreszeit.

Im Frühjahr sprießt es, im Sommer ist alles reif und im Herbst beginnt schon langsam die Ruhephase. Gegen Winter wird dann das Feld umgegraben. Das Feld besteht dann nur aus Erde. Manchmal glänzt sie auch ein wenig. Bei uns sagt man dann, dass das eine „fette Erde“ ist. Dieser Begriff steht für eine sehr fruchtbare, nährstoffreiche und humusreiche Erde.

Ich mag den Anblick der glänzenden fette Erde sehr. Für mich ist es ein Sinnbild für den verborgenen Schatz des Bodens. So umgegraben sieht das Feld ja leer aus. Aber die Erde ruht nur oberflächlich. In ihr lebt es weiterhin – Würmer oder Käfer.  In ihr ist so viel an Leben und Nährstoffen enthalten, ganz ohne unsere Zutat. Sie ruht, sie darf sich regenerieren über den Winter. Im Frühjahr kommt wieder Saat oder kleine Pflanzen, die diese gesammelten Nährstoffe brauchen, um wachsen zu können.

Ich würde gerne mehr lernen von dieser Erde. Meine Ruhephasen als Regeneration wahrnehmen. Ruhige Momente, die nicht produktiv sind, aber in denen ich Kraft schöpfe. Ich darf meinen Speicher wieder auffüllen. Diese Zeit hat ihren eigenen Wert. Ich erlebe, dass meine Ruhepausen sehr kreativ sind: In dieser Zeit entwickeln sich ganz sanft neue Ideen, setzt sich Erlebtes und verbindet sich mit anderen Erfahrungen. Ich gehe mit neuen Projekten „schwanger“.

In den ruhigeren Phasen empfinde ich mich wie ein Feld mit fetter Erde: ich bin bereit und voller Vorfreude auf das Neue. Mit der Vorfreude auf das, was dann kommt.

Eure Anja Bein

Bild von Anja Bein, privat