Guggemol: Hitzetage

Wenn die Hitze uns umhüllt merken wir: Wir können nicht einfach weitermachen wie immer. Der Rhythmus verändert sich. Wir werden langsamer. Suchen Schatten. Trinken mehr Wasser. Verschieben Termine. Und vielleicht steckt genau darin auch eine Einladung.

Denn die heißen Tage zeigen uns etwas, das im Alltag oft verloren geht: Wir bremsen uns aus und vielleicht haben wir auch die Gelegenheit zu spüren, dass wir gegenseitig füreinander da sein können.

Wer unterwegs eine Bank im Schatten teilt, nach den älteren Menschen in der Nachbarschaft schaut oder spontan ein Gespräch am Gartenzaun führt, erlebt, wie aus kleinen Gesten etwas Größeres entstehen kann. Aus Rücksicht kann Nähe werden – aus Aufmerksamkeit Miteinander.

Der Sommer mit seiner Hitze ist nicht nur eine Frage von Temperaturen. Er erinnert uns daran, dass wir Menschen nicht dafür gemacht sind, ständig schneller und effizienter zu werden. Manchmal entsteht das Wertvolle gerade dann, wenn wir einen Gang zurückschalten.

Vielleicht entdecken wir neu, wie gut es tut, draußen zusammenzusitzen. Zeit zu haben. Zuhören statt vorbeigehen. Weniger zu erledigen und mehr wahrzunehmen.

Und vielleicht liegt darin ein unerwarteter Mehrwert dieser heißen Zeit: Dass wir uns wieder als Teil eines Miteinanders erleben – verbunden miteinander, aufmerksam füreinander und offen für das, was zwischen Menschen wachsen kann.

Mit dem Gefühl, füreinander da zu sein wird selbst ein knallheißer Sommertag zu einem guten Ort. Und wenn es gar zu heiß wird treffen wir uns im Keller des Speyerer Doms.

Eure Suse Düring-Hesse

Speyrer Dom, Bild: Suse Düring-Hesse, privat