Der Spaziergang im Herbstwald beginnt im Nebel. Der Himmel grau, die Sicht begrenzt, feucht die Luft.
Je höher wir kommen, desto heller wird es. Bis der Herbstwald eine Atempause hält. Zwischen den stämmigen Baumkörpern lichtet sich der zähe Nebel zum sanften Schleier, Lichtstrahlen brechen hindurch.
Ein wunderbares Schauspiel der Natur: Nur weil der Nebeldunst dazwischen steht, werden die Strahlen der Sonne sichtbar. Golden, zart, fast heilig schweben sie durch den Wald.

Ich betrachte dieses Bild und lasse es auf mich wirken.
Der Nebel lichtet sich in zwei Richtungen.
Zum einen löst er sich langsam auf, weicht dem klaren Himmel des späten Vormittags. Zum anderen wird das Licht selbst heller, intensiver, verwandelt das Grau in Gold. Was als Unklarheit begann, wandelt sich zum Naturwunder – die klitzekleinen Wassertröpfchen, die uns zunächst den Blick verdeckten, lassen jetzt diese Magie erst entstehen.
Vielleicht ist das eine Einladung für unseren Alltag: Manchmal sind es die Unschärfen, die Unsicherheiten, die uns im Leben begegnen – sie lassen das Licht erst sichtbar werden. Ohne den Nebel wären die Strahlen unsichtbar geblieben. Die Schwelle, die uns zu behindern scheint, wird zum Medium der Erleuchtung.
In diesem Moment zwischen Dunst und Klarheit staunen wir. Und verstehen, dass nichts vergeblich ist. Nicht einmal der Nebel.
Euer Thomas Borchers
