Haben Sie das schon mal erlebt?
Sie beobachten eine Situation, ziehen daraus bewusst oder unbewusst kurzfristige Schlussfolgerungen über einen Menschen – merken dann aber, dass das nicht gerechtfertigt war.
Viele bereuten jüngst zum Beispiel ihre vorschnellen Kommentare zu Auftritten von Thomas Gottschalk.
„Ein Teller Suppe“ ist eine augenzwinkernde Geschichte, die vor Jahren ebenfalls von einem Fehlschluss handelte.
Falls Sie die Geschichte noch nicht kennen, hier ein Link zur Altenheimseelsorge: https://www.altenheimseelsorge.net/geschichten/ein-teller-suppe/
Unsere Gehirne sind (leider) darauf getrimmt, Situationen möglichst schnell deuten zu können. Das war stets wichtig für das menschliche Überleben.
Aber genauso kann uns diese alte Neigung gegenseitig „das Leben zur Hölle“ machen, denn es geht bei zwischenmenschlichen „KurzSchlüssen“ eben auch schnell etwas kaputt.
Weil genau diese Angewohnheit so oft zu falschen Unterstellungen und zu Vorurteilen führt, die – wenn sie erst mal da sind – ohne Reflexion nur noch darauf hinarbeiten, sich selbst zu bestätigen.
Und von da ab werden sie jeder offenen Begegnung im Wege stehen.
Viel zu selten machen wir uns bewusst, wie wenig wir eigentlich voneinander wissen und wissen können. Menschen sind wie Eisberge. Ein Großteil bleibt meist unsichtbar – seien es aktuelle und frühere Belastungen oder Freuden, Sozialisation, prägende Erfahrungen und Erlebnisse, Erkrankungen, Glaubenssätze, Ängste, Tätigkeiten, Engagement, Interessen, Talente, Ziele usw.
Vielleicht tun wir uns allen einen großen Gefallen, uns bewusst zu sein wie viel wir NICHT wissen – und alltäglich genau DARAUF Rücksicht zu nehmen!
Dass wir Vermutungen bilden, werden wir unseren Köpfen wohl nie ganz abgewöhnen können.
Aber vielleicht müssen wir uns gezielt immer neu in Reflexion und im abwartenden Umgang mit Ungewissheiten üben, gerade jetzt, wo überdies ein hohes Maß an Desinformation aus dem Hinterhalt unsere Wahrnehmungen beeinflusst.
Es ist an uns zu verhindern, dass wir ungerechte bis absurde Fehleinschätzungen zu Situationen und Menschen entwickeln – zumal dabei nicht selten auch unsere eigene Suppe unbemerkt kalt wird.
Und das nicht nur in der oben erwähnten Geschichte.
Eure Martina Gemmar

