Es ist soweit – wie bei so vielen steht der langersehnte Sommerurlaub an! Wir packen die Taschen, rüsten den Camperbus auf und endlich geht’s los Richtung Süden! Das Schöne am Busfahren ist, man sieht wie die Landschaft sich verändert, sanfte Hügel werden von Bergen abgelöst, grüne Wiesen werden karger, die Bäume fremdartig. Auch an den Häusern und vor allem den Kirchtürmen kann man die Veränderung erkennen.
Wir fahren ans Meer und der Moment, in dem man das erste Mal wieder am Strand steht und auf das Meer blickt ist einmalig. Ein bisschen ehrfürchtig, ein bisschen sprachlos ob der Weite, aber immer glücklich. Ist es nicht ein bisschen wie Heimkommen? Der Wind riecht und schmeckt nach Salz, der Sand kitzelt unter den Füßen und fühlt sich einfach herrlich an. Die ersten Schritte ins Meer und dann nichts wie hinein und von den Wellen tragen lassen.
Gerne stehe ich auch am Meer und denke an Moses, wie er das Meer teilte, damit die Israeliten fliehen konnten. Früher habe ich mir vorgestellt, wie die Fische und andere Meerestiere rechts und links durch das Wasser auf den Pfad geschaut haben, wie aus einem Aquarium. Mittlerweile verstehe ich diese Geschichte als Gleichnis. Und so ist das Meer auch eine Zuflucht, ein Ausweg. Leider für viele Menschen, die auf der anderen Erdhalbkugel wohnen und fliehen müssen, nicht immer mit gutem Ausgang. Das macht traurig. Wie groß muss das Leid sein, dass man so eine Reise auf sich nimmt? Aber in allem Schönen lauert auch immer etwas Gefährliches.
Wenn das Meer rau und stürmisch ist, sorgt es für Leid und Schrecken. Aber wenn es uns wohlgesonnen ist, können wir Nahrung finden, haben in alten Zeiten neue Kontinente entdeckt oder für mich im Moment…einfach pure Erholung. Und so mache ich einen langen Strandspaziergang und fülle die Hosentasche mit besonders schönen Muscheln und beobachte wie die Sonne am Horizont im Meer verschwindet. Und wenn es Zeit für die Heimreise ist, sage ich immer leise: “Tschüs Meer, bis nächstes Jahr!“

Eure Antje Haug
